Berlin - England, 1813. Queen Charlotte (gespielt von Golda Rosheuve) lädt zum Ball ein: Der Festsaal ist geschmückt, die Musiker stehen bereit, die adligen Familien sind außer sich. Für sie ist es die große Chance, ihre Töchter in die höhere Gesellschaft einzuführen und ihnen einen reichen Ehemann zu verschaffen. Denn nur so, erzählen die Mütter ihren Liebsten, werden sie einmal ein gutes Leben haben.

Während die drei Töchter der Familie Featherington mit diesem Vorgang kein Problem zu haben scheinen, sich in eng geschnürte Haute-Couture-Kleider pressen und das Lächeln schon einmal üben, sieht es bei Familie Bridgerton anders aus. Die älteste Tochter Daphne (Phoebe Dynevor) möchte am liebsten nur der Liebe wegen heiraten – und ihre Schwester Eloise (Claudia Jessie) gar nicht. Ginge es nach ihr, würde sie studieren und einmal so berühmt wie Lady Whistledown werden, die mit ihrem Klatschblatt die ganze Gesellschaft erheitert und jedes noch so verborgene Geheimnis der Oberschicht lüftet.

Foto: Netflix/Liam Daniel
Eloise Bridgerton möchte lieber lesen als heiraten. Ihr Vorbild ist Lady Whistledown.

Doch die Frauen können sich der Etikette nicht entziehen. Eloise muss sich auf lange Perlenkleider gefasst machen. Und Daphne auf eine lange Suche, die nicht einfacher wird, als sie den Duke of Hastings (Regé-Jean Page) trifft.

„Bridgerton“ bietet Liebe, Sex, dunkle Geheimnisse und Skandale

Die Netflix-Serie „Bridgerton“ basiert auf den historischen Romanen von Julia Quinn und wurde von Shonda Rhimes und Chris Van Dusen kreiert, die bereits bei „Grey’s Anatomy“ zusammengearbeitet haben. Die unvorhersehbaren Twists und die starken Figuren – die alle ihre eigene Geschichte mitbringen –, stehen so bei „Bridgerton“ im Fokus. Fast beeindruckender aber ist, wie modern sie die vorviktorianische Romanze gezeichnet haben.

Die meisten Adligen haben eine dunklere Hautfarbe als ihre Bediensteten, einige Frauen zeigen sich hinter Puder und Rouge äußerst feministisch. Und trotz der nicht wenigen Kämpfe und des etlichen Alkohols wirken viele Männer selbstkritisch. Ein Element, das man zwar auch in Teilen bei den Romanverfilmungen von Jane Austen sah, hier aber noch viel deutlicher in den Vordergrund rückt. Umrandet wird dieser emanzipatorische Ansatz durch aktuelle Popsongs, eingespielt durch ein Orchester, sowie eine Art „Gossip-Girl“-Ansatz: Lady Whistledown fungiert als Erzählstimme aus dem Off und bleibt bis zum Schluss die unbekannte Klatschbase. Das erinnert stark an die Drama-Serie von Josh Schwartz, zumal es neben der Liebe und dem Upper-Class-Milieu auch um Sex, dunkle Geheimnisse und Skandale geht. Die Geschichte ist aber viel förmlicher, eleganter gerahmt. Das gibt der Serie ihren eigenen Charme.

Obwohl „Bridgerton“ erst seit dem 25. Dezember auf Netflix zu sehen ist, kursieren im Internet bereits Gerüchte, wie es in Staffel zwei weitergehen könnte. Die Neugier ist verständlich. Die acht Folgen sind in sich zwar stimmig, machen aber deutlich Lust auf mehr.