Seit knapp einer Woche läuft auf Netflix die deutsche Krimiserie „Dogs of Berlin“. Fahri Yardim und Felix Kramer müssen in der deutschen Hauptstadt den Mord an einem deutsch-türkischen Nationalspieler aufklären und geraten immer tiefer in den Sumpf des Verbrechens. Von der Kritik wurde „Dogs of Berlin“ nicht gut angenommen, aber bei Netflix glaubt man dennoch, auf das richtige Pferd gesetzt zu haben. Zur Premiere im Kino International in Mitte reiste sogar Rachel Eggebeen an, Director of Netflix International Originals. Sie hatte Regisseur Christian Alvart grünes Licht für „Dogs of Berlin“ gegeben. In Deutschland hat Kai Finke, Director Content Acquisitions & Co-Productions, die Serie zu verantworten. Wir trafen die beiden Macher aus dem Hintergrund zum Interview.

Nach „Dark“ ist „Dogs of Berlin“ die zweite in Deutschland produzierte Netflix-Serie. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Netflix geworden?

Rachel Eggebeen: Sehr wichtig! Ich finde es geradezu überwältigend, wie viele ungewöhnliche Filmemacher und Drehbuchautoren momentan aus Deutschland kommen. Wir sind davon überzeugt, dass sich ihre originellen Geschichten nicht nur in Deutschland, sondern auf der ganzen Welt erzählen lassen. „Dogs of Berlin“ beispielsweise ist nicht nur ein Krimi oder Thriller, sondern entführt uns in die Unterwelt Berlins, wo sich Menschen verschiedener Schichten begegnen und aneinandergeraten. Das sind recht authentische und zugleich spezifische Inhalte, die aber überall verstanden werden.

Berlin als die Stadt des Verbrechens scheint gerade besonders gut anzukommen. Glauben Sie, dass dieses Image zutreffend ist?

Rachel Eggebeen: Unser Interesse ist es, nach Genres zu suchen, die auf dem Markt noch nicht so stark vertreten sind. Wir suchen nach Geschichten, die einzigartig sind oder einem weltweit beliebten Genre nochmals einen neuen Twist geben. So wie es Christian Alvart mit „Dogs of Berlin“ gelungen ist. Im Kern erzählt uns der Regisseur eine Story, die uns bekannt erscheint. Aber er entwickelt sie in eine Richtung weiter, die überraschend und genial ist.
Wie sieht es mit der sprachlichen Barriere aus, wenn eine deutsche Serie zeitgleich überall auf der Welt gesehen werden kann?
Rachel Eggebeen: „Dogs of Berlin“ wurde am vergangenen Freitag für 190 Länder freigeschaltet. 130 Millionen Nutzer haben also die Möglichkeit, sich die Serie anzusehen.
Kai Finke: Sie steht in neun verschiedenen Synchronisationen und mit etwa 25 Untertitelungsmöglichkeiten bei Netflix zur Verfügung. Es ist schon aufregend, wenn man Inhalte auf diese Weise einem globalen Publikum sofort anbieten kann.

Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Berliner Senat gemacht, um „Dogs of Berlin“ an authentischen Schauplätzen drehen zu können?

Rachel Eggebeen: Das kann ich nicht sagen, aber was die Dreharbeiten angeht, finde ich es sehr beachtlich, dass Christian Alvart alle zehn Episoden der Serie selbst inszeniert hat. Das ergibt eine Gesamtlaufzeit von etwa acht Stunden und 30 Minuten. In einem Zeitraum von sechs Monaten war er also nur mit dieser Serie beschäftigt. Die verschiedenen Schauplätze, die er eingefangen hat und die unterschiedlichen Welten, in die er damit eingetreten ist, sind das Herzstück der Serie.
Kai Finke: Berlin bildet einen schönen Hintergrund zur Geschichte. Ich würde sogar sagen, Berlin entwickelt in der Serie seinen eigenen Charakter heraus mit einem unverwechselbaren Soundtrack.
Rachel Eggebeen: Ja, die Musik spielt in „Dogs of Berlin“ eine wesentliche Rolle. Es ist ein recht pulsierender Soundtrack, der das sich rotierende Berlin von heute ganz gut widerspiegelt.

Welche Zielgruppe will Netflix mit dieser Serie hauptsächlich erreichen?

Rachel Eggebeen: Am Ende des Tages möchten wir natürlich jedem etwas bieten. Genau aus diesem Grund haben wir bei Netflix verschiedene Genres und Formate im Programm. Das können sechs Episoden von 30 Minuten sein oder auch mal eine dreiteilige Weihnachtsserie, die für nächstes Jahr geplant ist. Nun steht auch eine zweite Staffel von „Dark“ an, in Frankfurt am Main wird gerade die Familiensaga „Skylines“ gedreht und gespannt sein darf man auch auf die Serie „The Wave“ über eine Mission zum Mars.

Kai Finke: Unser Katalog beinhaltet aber auch tolle Filme und Serien für Kinder. Eltern können sich dadurch sicher sein, dass ihre Kids nur darauf Zugriff haben, was ihrem Alter entspricht. Preisgekrönte Dokumentationen stehen ebenfalls zur Auswahl. Uns ist es sehr wichtig, dass unsere Nutzer immer etwas auf Netflix finden, worauf sie Lust haben und was ihrer Stimmung entspricht.

Netflix kauft auch immer Kinofilme wie „Mowgli: Legende des Dschungels“ oder „The Coverfield Paradox“, die damit nicht mehr auf die große Leinwand kommen. Welche Strategie steckt dahinter?

Rachel Eggebeen: Das gehört natürlich auch zu dem Ziel, ein breites Programm anbieten zu können. Der eine möchte vielleicht nur einen Spielfilm von anderthalb Stunden sehen, der andere seine Serie weiterverfolgen, und die Kinder haben wiederum ganz andere Sehinteressen.
Kai Finke: Und für mache Filme und Serien macht es durchaus Sinn, Partnerschaften einzugehen. Zum Beispiel kooperieren wir gerade in Österreich mit dem ORF um eine Serie über Sigmund Freud zu realisieren. Das ist ein an sich regionaler Stoff, der aber auf das weltweites Interesse stoßen wird.

Auch auf Filmfestivals drängen immer mehr Serien, was immer wieder zu Kontroversen führt. Wie ist Ihre Einschätzung?

Rachel Eggebeen: Dazu kann ich wenig zu sagen, weil das nicht meinen Bereich betrifft. Aber ich denke, man muss das von Fall zu Fall entscheiden. Es wird versucht, für jede einzelne Serie und jeden Film den besten Weg zu finden, um von dem meisten Menschen gesehen zu werden.

Netflix bekommt immer mehr Konkurrenz. Im nächsten Jahr wollen Disney und Warner Ihre eigenen Streaming-Plattformen anbieten und hierzulande wollen die TV-Sender RTL und Pro7 eine Alternative zu Netflix schaffen. Wie wird sich das auf Ihre bisherige Strategie auswirken?

Kai Finke: Wettbewerb ist immer gut und wird uns sicherlich noch mehr anspornen, großartige Inhalte und Ideen zu fördern. Wenn nun weitere Service-Dienste auf dem Markt angeboten werden, in dem wir bereits erfolgreich sind, wird uns das daran erinnern, in der Spur zu bleiben, unser Angebote stets verbessern zu wollen. Daher denke ich, dass wir entspannt bleiben können, solange wir weiterhin in Kontakt mit hervorragenden Filmemachern bleiben, die großartige Inhalte für unser globales Publikum kreieren. Wir haben alles, um weiter wachsen zu können.