Berlin - Ob die Moderne-Sammlung der Berliner Nationalgalerie wirklich „weltweit einmalig“ ist, wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters in einem Bericht für den Bundestagskulturausschuss über den planten Nationalgalerie-Neubau schreibt, sei dahingestellt. Das Centre Pompidou in Paris oder das Museum of Modern Art in New York sollen ja auch ganz anständige Sammlungen beherbergen. Aber dass die Nationalgalerie mehr Platz benötigt, ist seit dem „Berliner Museumsstreit“ der frühen 1990er-Jahre bestens bekannt. Dennoch wurde damals von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz gegen weltweite Proteste beschlossen, die sinnvoll für die Moderne nutzbaren Grundstücke am Kulturforum mit der Neuen Gemäldegalerie für die Alten Meister zuzubauen, statt diese neben dem Bode-Museum auf der Museumsinsel zu errichten. Eine fatale Blockade für alle Museen westlicher Kunst entstand, die erst im vergangenen Herbst durch den Bundestag aufgebrochen wurde.

2021 soll der Neubau stehen

Am 27. November vergangenen Jahres beschloss dessen Kulturausschuss auf Initiative der Hamburger Abgeordneten Johannes Kahrs und Rüdiger Kruse, der Preußen-Stiftung weitere 200 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Am Kulturforum soll ein Haus gebaut werden, nun wirklich für die Nationalgalerie. 14000 Quadratmeter Nutz- und nicht etwa Ausstellungsfläche, wie zunächst gemeldet wurde, soll der Neubau umfassen. 9 200 Quadratmeter sind davon tatsächlich für die Präsentation von Kunst gedacht. Der Neubau ist damit im Vergleich zu anderen neueren Museen für moderne Kunst keineswegs billig kalkuliert.

Wenn die Bundestagsabgeordneten wollten, könnten sie Grütters also fragen, ob denn die Vergleichskalkulation von 2012 heute noch haltbar ist, auf Grund derer die Preußen-Stiftung für den Nationalgalerie-Neubau votierte. Damals unterlag die Gemäldegalerie mit ihrem umfassenden Neubauwunsch an der Museumsinsel mit Depots, Werkstätten und Büros diesem reinen Ausstellungshaus-Projekt auf dem Kulturforum. Für das noch nicht einmal alle Kosten für die Grundstücke bekannt sind. An der Sigismundstraße könnte zwar auf schon jetzt staatlichem Land gebaut werden.

Im Zentrum des Kulturforums, zwischen der Philharmonie und der Staatsbibliothek Hans Scharouns und der Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe aber gehören nur 80 Prozent der Grundstücke der Öffentlichkeit. Über den Rest wird mit der evangelischen Kirche und einem Hamburger Unternehmer verhandelt.

Obwohl es auch noch keinen Bebauungsplan gibt, macht Monika Grütters nun noch mehr Druck. Sie will 2021 den Neubau stehen sehen. In den nächsten Wochen soll der Hauptausschuss des Bundestags das Geld dafür freigeben. Dann muss das Raumprogramm der Nutzer und das Bauverfahren detailliert geklärt sein. Geplant ist ein ÖPP-Verfahren, in dem von einer privatrechtlichen Firma gebaut wird, die Preußen-Stiftung aber nur Mieter sein wird. Das bringt zwar vielleicht die schnelle Realisierung, wird aber aller Erfahrung nach teuer für die künftigen Nutzer. Doch will die Kulturstaatsministerin offenkundig das sonst für Bauarbeiten der Preußen-Stiftung zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung aus dem Prozess heraushalten.

Auch soll schon im Mai der erste Wettbewerb eines insgesamt voraussichtlich dreistufigen Verfahrens ausgeschrieben werden. Aus der ersten, europaweit offenen Ideenkonkurrenz sollen fünf bis zehn Teilnehmer in die zweite Stufe, außerdem die gleiche Anzahl eingeladener Architekten sowie etwa 25 aus einem weiteren Wettbewerb eruierte Büros. Aus diesen etwa 40 Teilnehmern werden dann vier bis sechs Entwürfe ausgewählt, die sich mit Realisierungsfirmen um den Auftrag bewerben können.

Mit dieser komplizierten Staffelung will Grütters erreichen, dass auch junge, unerfahrene Büros eine Chance erhalten. Wie auch die beiden Hamburger Abgeordneten bei einer Diskussionsveranstaltung am Montagabend sagten: Es geht nicht nur darum, betonumbauten Raum für die Moderne-Sammlungen zu errichten, sondern dem Kulturforum eine neue Chance zu geben.