Neue Castingshow „Millionärswahl“: Keine ganze Million

Köln - Zukunft ist, wenn Fernsehen und Internet miteinander verschmelzen. Eins werden. Ein Gedanke, auf dessen Umsetzung ProSieben und Sat.1 derzeit schwören: Mit der neuen Castingshow „Millionärswahl“, die am heutigen Donnerstag auf ProSieben startet, werfen die beiden Sender ein Konzept auf den Markt, das den besten Online-Bewerber vor laufenden Fernsehkameras mit einer Million Euro belohnen soll. Ganz so wie versprochen stimmt das allerdings nicht.

Das Konzept

Welches Talent ist eine Million Euro wert? Rund 27.000 Menschen haben sich vorab im Internet mit hochgeladenen Videos, Texten und Fotos für die Teilnahme an der Show beworben. Der Clou: Keine Jury, sondern die Möchtegern-Millionäre selbst haben auf einer Online-Plattform entschieden, wer sein Talent im Fernsehen präsentieren darf. Ergebnis: 49 Kandidaten dürfen vor die TV-Kameras, es gibt insgesamt sieben Live-Shows. Die Zuschauer, die Netz-Gemeinde und auch die Kandidaten unter sich wählen dann in jeder Show, wer weiter kommt. Die Show wird mal auf ProSieben, mal auf Sat.1 ausgestrahlt. Wer gewinnt, entscheidet sich am 31. Januar.

Die Kandidaten

Was ein Talent ausmacht, scheint großzügig definiert. Jan und Gianna aus Hennef betreiben beispielsweise einen YouTube-Kanal mit dem Namen „61 Minuten Sex“ – eine Video-Reihe, in der die beiden regelmäßig auf unverkrampfte Weise Sex-Wissen vermitteln. Daniel springt kopfüber aus 52 Metern Höhe auf ein Luftkissen, Benedikt möchte bei der „Millionärswahl“ mit seinen drei Tanzschülern auftreten. Ralf würde mit der Million sein Patenkind Nele unterstützen, das an einer seltenen Krankheit leidet. Und Lebemann Sava hat versprochen, über die Hälfte des Preisgeldes zu verschenken – an die eigenen Wähler.

Die Moderatoren

Gastgeber der Show und Begleiter der Kandidaten sind Jeannine Michaelsen und Elton. Sie ist bekannt durch ihre Moderation beim WDR-Radiosender 1Live. Er gilt als Stammgast und „Dauerpraktikant“ bei ProSieben – Elton ist regelmäßig zu Besuch bei Stefan Raabs „TV Total“ oder macht mit beim „Turmspringen“.

Der Haken

Wem gönnt Deutschland die halbe Million? Eine ganze wird zumindest niemand in der Show verdienen. Das Finanzamt verhindert das – denn wer aufgrund einer persönlichen Leistung Geld verdient, der muss es versteuern. Und da Jan, Ralf und all die anderen Kandidaten online und im Fernsehen ihre Leistungen präsentieren, können sie im Falle eines Gewinns mit gewaltigen Abzügen rechnen. Danach bleibt dem Sieger kaum mehr als die Hälfte des Preisgeldes. Verschenkt Kandidat Sava also den Großteil seiner Prämie, sollte er bedenken: Viel übrig bleibt nicht.