Auf eines ist Verlass: Man leidet und jubelt mit Angie Thomas’ Helden, als wären es die eigenen Kinder. Und in jedem ihrer Bücher schickt die amerikanische Bestsellerautorin diese in Situationen, in denen man ihnen tief in die Augen sehen möchte und sagen: „Bitte. Tu. Das. Nicht.“ So ging es einem mit Starr in „The Hate You Give“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis und 2019 verfilmt, als sie sich und ihre Familie durch anfangs kopflosen politischen Einsatz in Gefahr bringt. So wollte man Bri davon abbringen, in „On The Come Up“ ihr Talent an raffgierige Musikfirmen zu verkaufen. Und so will man jetzt, in „Concrete Rose“, Maverick schütteln, als er auf Seite 158 mit Lisa schläft. Ohne Kondom. Dabei hat er schon ein Baby mit Iesha und reibt sich derart auf zwischen Job und Schule, dass das Dealen als Broterwerb arg lockt. Als er wieder einsteigt, will man ihn verzweifelt schütteln.

Wie Starr und Bri will Maverick alles richtig machen. Ein anständiges Leben führen. Seinem Sohn ein guter Vater sein und seiner alleinerziehenden Mutter ein guter Sohn. Das Milieu, in dem er aufwächst – es ist in allen Büchern von Angie Thomas die Welt der Banden, des Rassenhasses, der hart arbeitenden schwarzen Städter – macht es ihm schwer. Es sind die USA der Gegenwart, in der die 1988 geborene Autorin ihre Helden um eine Zukunft ringen lässt. Doch: „Ich gebe zu, dass du mich überrascht hast“, sagt Mavericks Arbeitgeber Mr. Wyatt einmal. Wie die Leserin weiß Mr. Wyatt, dass Maverick zu diesem Zeitpunkt viel mehr geschafft hat, als den Nachmittagsansturm in dessen kleinem Lebensmittelladen zu bewältigen.

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