Bunt und lustig: Das Kinder- und Jugendensemble des Friedrichstadt-Palast besteht aus 250 Kinder aller Nationen.
Foto: Friedrichstadt Palast

Berlin  Flotte Tanzszenen, große Stimmen, spektakuläre Lichtshows und Bühnenbilder, die sich magisch verwandeln – wer es nicht weiß, würde kaum vermuten, dass bei dieser Show ausschließlich Nachwuchs-Stars auf der Bühne stehen: Im Friedrichstadt-Palast ist derzeit die Kinder-Revue „Im Labyrinth der Bücher“ zu sehen, die im November ihre Weltpremiere feierte. Auf den Brettern: Unzählige Kinder und Jugendliche aus den unterschiedlichsten Nationen, alle zwischen 7 und 17 Jahre alt.

Die knallbunte, turbulente Inszenierung dreht sich um Lea, Jule, Ben und Mayla, vier Kinder, die gerne lesen. Während sie in ihren Geschichtenbüchern blättern, erscheint die Lese-Fee Appelina und verzaubert die Szenerie, so dass die Kids in den Geschichten landen. Ein Ritt durch die Welt der Kinderliteratur von Robin Hood bis Robinson Crusoe.

Früh übt sich

„Im Labyrinth der Bücher“ ist aber nicht nur eine Revue für Kinder, auch Erwachsene werden gut unterhalten. Über Monate wurde vor und hinter den Palast-Kulissen gebastelt, geschraubt, geprobt, wurden die Nachwuchs-Künstler auf die Arbeit auf der Bühne vorbereitet. Der Palast ist eigentlich bekannt für seine großen Revuen – doch seit 1945 unterhält die Berliner Bühnen-Institution ein junges Ensemble.

Rund 250 Berliner Kids aus 20 Nationen werden hier ausgebildet, bekommen das Rüstzeug für eine Karriere auf den Brettern. „Wir sehen darin auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Kinder müssen früh an das Medium Bühne herangeführt werden, damit sie später auch als Erwachsene ins Theater gehen“, sagte Berndt Schmidt, der Intendant des Palastes.

Im Labyrinth der Bücher läuft noch bis 31. Januar und dann wieder ab November. Tickets und Informationen unter www.palast.berlin


Foto: Andreas Klug/ camcop media
Die Apfel-Fee

MASCHA STIERLE aus Steglitz ist zwar erst 15 Jahre alt, aber trotzdem schon eine alte Häsin. „Ich gehöre seit sieben Jahren zum jungen Ensemble“, sagt sie. „Ich habe früher schon gern getanzt, deshalb meldete meine Mutter mich an.“ Besonders reizvoll für sie: Auf der Bühne zu stehen, Dinge vorzuführen und am Ende Applaus zu bekommen, das Brot der Künstler. Nach mehreren Shows hat es dieses Mal sogar mit der Hauptrolle geklappt: Mascha ist Appelina, die Lese-Fee mit Hang zum Apfel-Tee. 40 Minuten braucht sie, bis ihr grün leuchtendes Kostüm sitzt, die Haare und das Make-up passen. „Ich habe auch großes Lampenfieber, aber das wird schon. Die Proben liefen gut, auch wenn wir sehr schnell unseren Text lernen mussten.“


Foto: Andreas Klug/ camcop media
Der Moskito

AMELIE MÜLLER spielt in der Kinder-Revue unter anderem einen Moskito – da gehören auch die großen Augen zum Kostüm. Die Zwölfjährige wurde 2016 auf das Ensemble aufmerksam. „Ich habe immer getanzt und mochte die Shows“, sagt sie. „Gemeinsam mit einer Freundin ging ich zum Casting – und wir wurden beide angenommen. Jetzt stehen wir sogar gemeinsam in den gleichen Gruppen auf der Bühne.“ Zweimal pro Woche war sie seit April im Palast, um mit den jungen Kollegen zu proben. „Aber es ist sehr schön, wenn man sieht, wie alles auf der Bühne wirkt.“ Lampenfieber hat sie nicht mehr. „Bei der ersten Aufführungen, bei der ich mitgemacht habe, hat es noch gekribbelt, aber inzwischen geht es schon besser!“


Foto: Andreas Klug/ camcop media
Der kleine Räuber

LOURDES ROA ist neun Jahre alt, macht seit zwei Jahren im jungen Ensemble des Palastes mit – und tanzt mit ihren kleinen Mitstreitern über die gigantisch wirkende Bühne. „Mein Papa dachte erst, es ist ein Wettbewerb im Singen und brachte mich deshalb zum Casting“, sagt sie. „Da sahen wir, dass auch getanzt wird, das gefiel mir sehr, denn das habe ich schon immer gern gemacht.“ Inzwischen habe sie viele Freunde gewonnen und in den Kinder-Revuen einige Rollen gespielt – dieses Mal sind es ein Räuber und ein Marienkäfer. „Ich bin auch richtig doll aufgeregt. Ich atme dann immer langsam ein und aus, dann kann ich mich ein bisschen beruhigen.“ Bis zum 18. Lebensjahr verfliegt die Aufregung sicher – denn Lourdes will später Schauspielerin werden.


Foto: Andreas Klug/ camcop media
Der dicke Mönch

IDON ISAJA (13) spielte vor seiner Zeit im Friedrichstadt-Palast bereits in einer Theatergruppe – bis sein Vater in der U-Bahn ein Werbeplakat für das junge Ensemble sah. „Ich ging zum Casting und wurde angenommen“, sagt er. Er habe früher Disney-Filme gesehen, aus ihnen zog er die Inspiration, selbst zu spielen und zu singen. „Außerdem bin ich immer in Bewegung und mag es, mich auf der Bühne auszutoben.“ Nach den anstrengenden Proben freut er sich richtig auf die Show, auf die Premiere, trotz Lampenfiebers. „Ich werde immer aufgeregter, aber wenn man auf der Bühne ist, konzentriert man sich auf die Revue.“ Ob er das Schauspiel auch zum Beruf machen will, weiß er noch nicht. „Aber ich habe ja auch noch Zeit.“