Man sollte nicht soviel in dieses Album hineininterpretieren. „But You Caint Use My Phone“ ist zwar einerseits das erste musikalische Werk Erykah Badus seit fünf Jahren; aber es ist auch ein Mixtape im HipHop-Sinne. Während die Erfinderin des Neo-Soul vor kurzem mit „Feel Better, World“ tatsächlich einen DJ-Mix aus vor allem älteren Jazz- und Funk-Nummer ins Netz stellte, variiert und besingt sie hier bereits veröffentlichte, eigene und fremde Beats.

Eine gewisse Flinkheit gehört dazu: Das Herzstück des Albums ist der Remix von „Hotline Bling“, der immens erfolgreichen Single des kanadischen Rapstars Drake aus diesem Sommer. Wie es so seine Art ist, erinnert sich Drake darin an nächtliche Sexanrufe einer Freundin, die sich nun als Ex, so klagt er, „einen gewissen Ruf“ durch einschlägige, hiphoptypische Zeitvertreibe erarbeitet habe.

Lässige Wendung

Badu zeigt einen angenehm leisen, bodenständigen Humor, wenn sie den Song zunächst nur als elegant amüsierte Spiegelung aus weiblicher Perspektive bringt, mit ihrer leicht verpeilten, leicht ironischen, sehr coolen und wundervoll musikalischen Stimme, um dann noch eine lässige, laszive Soulwendung anzuhängen. Böse meint sie das nicht, die beiden kennen sich seit längerem, und Drake habe, so heißt es, gelegentlich schon Badus Rat in Lebensfragen gesucht – die Aura der HipHop-Weisen erkannte man bei ihr ja schon auf dem Debütalbum „Baduizm“ von 1997, wo sie ihre Jazz- und Beatmischung gleichermaßen straßenweise wie esoterisch ausmalte. Seither lockerte sie auf weiteren vier Alben etliche weltanschauliche Schrauben, bis sie sich 2010 auf dem großartigen „Return of the Ankh“ als eine psychedelische Mischung aus altägyptischer Hohepriesterin, P-Funk-Göttin und Szene-Mutter präsentierte.

Durchaus lustig daher nun ihre Remix-Ansagen wie etwa: „Für Grüße zum Geburtstag, Chanukka, Kwanzaa oder Black History Month drücken sie bitte die 2.“ Oder: „Für allgemeine Bittstellerei drücken Sie die 4“. Der Titel des Stücks lautet etwas holprig „Cel U Lar Device“, also Mobilgerät.

Wo sie sich einst, auf ihrem zweiten Album „Mama’ Gun“ von 2000, als „analogue girl in a digital world“ beschrieben hat, sammelt sie hier, sagen wir, Fragmente einer digitalisierten Sprache der Telekommunikation – oder so ähnlich.

Gedanken zur Allgegenwart des Smartphones

Sie öffnet jedenfalls das Album mit einer Variante ihres ersten Hits „Tyrone“. Darin nahm sie den R&B-Zeitgeist der späten Neunziger vorweg und schickte Schnorrer und Angeber mit einem durchaus höhnischen „Ruf lieber Tyrone an“ fort – was sie hier lustig um das titelgebende „aber mein Telefon kriegst du nicht“ ergänzt. Im weiteren sammelt sie dann ein paar eher frei schwimmende Gedanken zur Allgegenwart des Smartphones, zur Sehnsucht nach Verbindung und zum Einfluss auf soziale Beziehungen. Als eine Art Gegenstück zu „Hotline Bling“, worin das Telefonsignal die erotische Bedürftigkeit ankündigt, funktioniert zum Beispiel ihr „Phone Down“, worin sie fein suggestiv ihre – vielleicht erotischen Qualitäten für den Geliebten, vielleicht auch gesanglichen für den Hörer preist: „Ich bringe dich dazu, dein Telefon wegzulegen.“ Diesem Anliegen folgt man gern.

Diesen spielerischen Umgang setzt sie im musikalischen Konzept fort, dass sie Trap&B nennt, die Verbindung ihres ganz eigenen Badu-Souls mit den modisch zerbeulten, schlierig-dunklen Trap-Bässen, die in letzter Zeit aus dem Südstaaten-HipHop in den Mainstream gefunden haben. Unterstützt vom Nachwuchs-Produzenten Zach Witness benutzt sie dabei doppelt historisches Material. Ständig hört man alte und älteste Telefon-Sounds, Besetztzeichen, Blieps der Tastenwahl, Anrufbeantworter. Dazu covert, extrapoliert und sampelt sie sich durch die Geschichte der Telefonie im Soul, von den Isley Brothers zu New Edition und Usher.

Warm und entspannt

Als roter Faden zieht sich das Sample aus dem Anti-Kriegsstück „Why Can’t We Live Together“ von 1972 durch das gesamte Album, Timmy Thomas’ minimalistisches Drum-und Orgelmotiv. Kontrastierend dazu strahlt der letzte Titel als freundliches „Hello“. Es ist ein tolles Duett mit Rapper André „Dre 3000“ Benjamin, Vater ihres Kindes, und ein Mann, mit dem sie einst tatsächlich nicht mehr zusammenleben konnte. Es geht dabei um Verantwortung und Vertrauen, um Freiheit und Selbstbewusstsein, während die beiden einander umrappen und umsingen. Badus Stimme klingt warm und entspannt, bodenständig und luftig, ein wunderbarer Schluss für dieses beiläufige Meisterstück.