Meinen die das wirklich ernst? Fassungslosigkeit herrscht nach der Pressevorführung von „Macho Man“, der Verfilmung des Bestsellers von Moritz Netenjakob. Gab es da vielleicht einen gut versteckten Witz oder eine subtile Botschaft, die wir einfach nicht verstanden haben? Doch auch das intensivste gemeinschaftliche Drehen und Wenden der Culture-Clash-Männer-Komödie mag zu keiner positiveren Verfasstheit als der Ratlosigkeit führen. Der Film von Christof Wahl ist so blöd, dass er konsequent jede Möglichkeit ausschließt, schon wieder witzig zu sein.

In der Rolle des pummeligen Warmduschers Daniel spielt sich Christian Ulmen hier durch eine schlimme Sammlung von Klischees, die filmisch selbst in der nicht immer geschmackssicheren und funkensprühenden deutschen Komödienlandschaft einen neuen Tiefpunkt markieren. Schon die ersten Bilder verheißen nichts Gutes. Daniel, Angestellter einer Werbefirma, ist dabei als Lichtdouble in einer Gruppe Unterwäsche tragender Models zu sehen. Wie immer, wird er von den heißen Bräuten nicht im Geringsten wahrgenommen. Ach je. So ist es dann mehr als ein Wunder, dass er bei einem Club-Urlaub die Aufmerksamkeit der äußerst attraktiven und total netten Animateurin Aylin erregt – eine Annäherung, die den Urlaub überdauert.

Doch zurück in Köln vor die Aussicht gestellt, ihre traditionelle türkische Großfamilie kennenzulernen, möchte sich der ungünstig gekleidete Frauenversteher unter der Anleitung von Aylins maskulinem Bruder Cem in einen schicken Macho mit festem Händedruck wandeln. Zum Missfallen seiner übergriffigen Alt-68er-Eltern und seiner Angebeteten mutiert er schnell zum in enge schwarze Polyesteranzüge gestopften, sexistischen Vollproll, der mit dem Schwiegervater in spe über die Griechen herzieht.

Diese Übererfüllung des Männlichkeitsklischees verkörpert Ulmen aber leider genauso unglaubwürdig wie er überhaupt als Loveinterest der schönen Aylin unwahrscheinlich ist. Andererseits erschöpft sich die Charakterzeichnung Aylins wesentlich in ihrer Kinder- und Familienliebe und ihrem guten Aussehen egal, ob in Bikini oder Abendkleid. Zugegeben passt zu dieser latent sexistischen Oberflächlichkeit die gewählte Werbefilmästhetik von „Macho Man“ ganz ausgezeichnet, bisweilen wähnt man sich infolge des lärmigen und beliebig wirkenden Soundtracks ohnehin eher in einem Zusammenschnitt von Youtube-Filmchen. Der vermeintlich spaßige aber letztlich lieblose Umgang mit den eindimensionalen Figuren lässt diese insgesamt wie Sammelbildchen aus dem Klischee-Katalog wirken – die 68er und deren desorientierte Kinder, die Kopftuchmädchen und ihre hypermaskulinen Brüder – und verhindert damit genau das, was der Film vorgibt erreichen zu wollen: Vorurteile auf amüsante Weise zu dekonstruieren.

Macho Man Deutschland 2015. Regie und Kamera: Cristof Wahl; Drehbuch und Buchvorlage: Moritz Netenjakob; Darsteller: Christian Ulmen, Aylin Tezel, Dar Salim, Axel Stein, Samuel Finzi, Vedat Erincin u.a.; 98 Min., Farbe, FSK ab 6