Ein scheuer Junge aus den USA, magisch angezogen von altenglischem Zauberfirlefanz – in bester Auteurmanier scheint der Film die Geschichte seines Schöpfers zu erzählen. Einmal quer über den Atlantik liegt diese seltsame Insel, auf der andersbegabte Kinder ihre Schrullen ausleben dürfen, die andernorts nur Makel sind. Ist das nicht reinster Tim Burton? So wie Jake (Asa Butterfield) aus Florida muss sich der Filmemacher einmal gefühlt haben, als er noch nicht wusste, dass er einmal Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ verfilmen oder die Grotesken eines Roald Dahl ins Bild setzen würde. Jake ist fremd in dieser Welt, er glaubt sich auch nicht sehr begabt. Doch die makabren Gruselgeschichten des Großvaters, die ihn hierher gelockt haben, erweisen sich allesamt als wahr.

Indes hat sich Burton seine wundersamen Gestalten – das Schwebemädchen, den unsichtbaren Jungen, die Nackenfresserin und deren Beschützerin, die vogelhafte Miss Peregrine – nicht selbst ausgedacht. „Die Insel der besonderen Kinder“ kam auf Umwegen zu ihm, eine Auftragsarbeit. Die Buchvorlage des Amerikaners Ransom Riggs, 2011 erschienen, schrie einfach nach Tim Burton. Riggs’ beste Idee allerdings hat der Kalifornier gar nicht verwendet: Der Schriftsteller ließ sich zu seiner wilden Reise durch Zeit und Raum von alten Fotografien inspirieren, die er über die Jahre auf Flohmärkten zusammengesammelt hatte. Auf eine heute nicht mehr zu klärende Weise gab es das rätselhaft schwebende Mädchen und seine Verfolger, die grausigen Kinderaugenfresser, wirklich – in einer längst untergegangenen, vergilbten und an den Rändern ausgefransten Realität von gestern.

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