Unser Name tut nichts zur Sache. Doch wir waren dabei, als es am Donnerstag um „Bond, James Bond“ ging. Dazu mussten wir uns nicht mal in ein Flugzeug nach London bequemen – o nein, unsereins saß gemütlich daheim im Ohrensessel, die Katze auf dem Schoß, nagte am Lebkuchen und nippte Martini dazu, Punkt 12 Uhr mittags. Natürlich geschüttelt, nicht gerührt.

Was den Alkohol zu dieser Tageszeit betrifft: Irgendwo auf der Welt ist es immer 18 Uhr, weiß eine alte englische Redewendung. Womit wir wieder in London wären: In den dortigen Pinewood Studios wurden nämlich unter großem Trara Titel und Besetzung des nächsten „Bond“-Films bekannt gegeben.

„Spectre“, ein leicht enttäuschender Filmtitel

Es wird bereits der 24. sein. Auf „Skyfall“ folgt nun „Spectre“, wie wir dem total authentischen Live Stream auf unserem mobilen Endgerät entnehmen konnten. Ein leicht enttäuschender Filmtitel. Wo „Skyfall“ noch Himmelsweiten und Bungee-Jumping in italienischen Maßanzügen assoziierte, klingt nun „Spectre“ irgendwie banal. Das Übersetzungsprogramm Leo schlägt poetisch-neblige Bedeutungen wie „Geist, Phantom, Schemen“ vor, was aber nicht verhindert, dass rein lautmalerisch und völlig unrichtig das Wort „Spektrum“ in unser Gehirn einrückt. Bond im weißen Laborkittel als Optophysiker? Puh!

Dankenswerterweise wird nichts werden aus dieser doch schülerhaften Fantasie. Der aktuelle Bond-Darsteller Daniel Craig sprang im marineblauen Pulli über weißem Hemdkragen auf die improvisierte Bühne in den Londoner Pinewood Studios – und signalisierte damit Entspanntheit im Rundumschlag, sowohl im Umgang mit seiner Rolle als auch dem Anlass und den Kollegen. Denn auch die Besetzung von „Spectre“ wurde „enthüllt“, wie es immer so schön wichtigtuerisch heißt.

Ralph Fiennes als „M“

Dass die Französin Léa Seydoux das „Bond“-Girl verkörpern wird, ist seit geraumer Zeit bekannt. Und auch Christoph Waltz wurde als neuer „Bond“-Bösewicht eher bestätigt als brandaktuell bekannt gegeben. Ralph Fiennes übernahm den Stab als Geheimdienstchef „M“ bereits in „Skyfall“ von der erblindenden Judi Dench, und auch Ben Wishaw wurde dort bereits eingeführt als Allzweckbastler „Q“.

Tatsächlich neu ist indes das Modell des „Bond“-üblichen Astin Martin, nun ist es ein DB 10. Aber was soll unsereins im Ohrensessel dazu schon sagen: Sieht gut aus, das Auto. Das alte hatte Bond, James Bond, ja auch zu Schrott gefahren.

Zum Schluss noch ein Wort der Anerkennung darüber, dass diese hochinszenierte Live-Schaltung aus London tatsächlich funktionierte. Hat man doch erst kürzlich das Netzwerk der die „Bond-“-Filme verantwortenden Firma Sony Pictures derart gehackt, dass alles, sogar die Manager-Gehälter infiltriert wurden. Den Gerüchten zufolge taten dies chinesische Sonderspezialisten in nordkoreanischen Diensten – und zwar aus Rache für den Sony-Film „Das Interview“ von Seth Rogen, in dem der Moderator einer Talkshow bei einem Interviewtermin Nordkoreas Diktator ermorden soll. Supergeheim natürlich.