Lookman Adekunle Salami alias L.A. Salami.
Foto: Diane Sagnier

Lookman Adekunle Salami (kurz L.A. Salami) war seit jeher ein Fan von Bob Dylan.  Als er in einem Heim in London aufwuchs, setzte er sich nachts die Kopfhörer auf, um den Geschichten seines Idols zu lauschen. Das war seine Möglichkeit, aus der Realität zu fliehen, seine Art zu träumen.

Heute hat der mittlerweile 32-jährige Singer- Songwriter zwar keinen Grund mehr fortzulaufen - der britische Radiosender BBC setzt ihn jährlich auf irgendwelche Top-Listen, und seine beiden Alben „Dancing With Bad Grammar“ und „The City of Bootmakers“ wurden durchweg positiv besprochen -, doch Salami träumt wohl immer noch gerne. Denn Bob Dylan spielt auf seinem neuen und dritten Werk „The Cause of Doubt & a Reason to Have Faith“ (Der Ursprung des Zweifels und ein Grund zum Glauben) eine Rolle. 

Auf sieben Songs sinniert er wie einst Dylan über gesellschaftliche Fragen und Phänomene, die etwas mit dem Menschen machen. Dazu stets eine Klampfe, ein Klavier oder eine Mundharmonika. Das zeigt sich etwa in der fein komponierten Gitarrenballade „When You Play God“, in der er von Männern spricht, die gerne Gott spielen - wozu seiner Ansicht nach der Rapper Kanye West und Russlands Präsident Wladimir Putin gehören. Oder in dem Piano-Stück „Thinking of Emiley“, in dem er über den Auslöser seines Schmerzes mit reibender Stimme singt: „I’m one bad day from going crazy, and the world feels much the same. But fuck the world, I miss my lady, but she is far away…“ (Ich stehe nur einen Tag davor, verrückt zu werden, und der Welt geht es ähnlich. Aber scheiß auf die Welt, ich vermisse meine Geliebte, sie ist so weit fort).

L.A. Salami: Zwischen Dylan-Hommage und Weltgeschehen

Wie sein Idol versucht Salami, seine Liedzeilen mit Alltagspoesie zu veredeln. Die schlichte Instrumentenwahl unterstreicht das zusätzlich. Manchmal setzt der Autodidakt aber auch das Rauschen eines Radios oder ein Hip-Hop-Sample ein. Das ist seine Art, sich vom großen Songwriter abzugrenzen und sich nicht nur textlich auf das Hier und Jetzt zu besinnen. Das war schon auf seinen Vorgängeralben so und klappt nun genauso gut. In seiner Single „The Gage“ wird dies deutlich, wenn er auf einem mit Synthies besetzten Beat den Kapitalismus und den Marken-Hype um Apple anreißt.

Den Grund für einen Glauben – um auf seinen Albumtitel anzuspielen – kann der Fan jedoch nur erhören. Wenn er zwischen der Dylan-Hommage und dem Weltgeschehen den Jungen aus dem Heim mit den Kopfhörern entdeckt. Der sich immer auch etwas selbst Kraft gab. Und letztlich braucht es genau das, für das Leben in der Moderne: Power und die Möglichkeit, sich in Geschichten talentierter Songschreiber zu verlieren.

L.A. Salami - The Cause of Doubt & a Reason to Have Faith (Sunday Best Recordings)