Berlin - Zwei große Künstler, die sich gefunden haben: John Williams (90), oscar-prämierter Filmkomponist , der die Musik für Hollywood-Blockbuster wie „Star Wars“, „Der weiße Hai“ oder „Schindlers Liste“ schrieb – und Yo-Yo Ma (66), virtuoser Cellist, vielfacher Grammy-Gewinner und Träger des Praemium Imperiale, des weltweit wichtigsten Kunstpreises.

Die beiden verbindet eine jahrzehntelange Zusammenarbeit, und mehr, eine Freundschaft. „A Gathering Of Friends“ heißt denn auch ihr neues gemeinsames Album, „ein Treffen unter Freunden“.

Der 90-jährige John Williams - mit seinem mit den Berliner Philharmonikern eingespielten Album „The Berlin Concert“ zurzeit Nummer eins der deutschen Klassik-Charts - scheint des Schaffens nicht müde zu werden. Für das neue Album hat er sein Cellokonzert neu überarbeitet, das er bereits 1994 für Ma komponiert hatte. Melancholische Solopassagen wechseln mit aufbrausenden Orchesterklängen, die den Filmkomponisten spüren lassen. Williams selbst dirigiert das New Yorker Philharmonic Orchestra. Ma merkt im Pressetext an, dass die neue Version „größere Änderungen, strukturelle Änderungen“ enthalte, mit einem Schlusssatz, der „ein einziger glorreicher Song ist, der sich bis zum Ende dreht und dreht und dreht“.

Das zweite Konzertstück „Highwood's Ghost“ komponierte Williams 2018 anlässlich des 100. Geburtstages des legendären Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein. Hier wirkt auch die Soloharfenistin des Boston Symphony Orchestra, Jessica Zhou, mit und zaubert nahezu mystische Klänge herbei.

Ebenfalls auf „A Gathering Of Friends“ zu hören sind neue Arrangements, die John Williams von drei Stücken aus seiner mit dem Oscar ausgezeichneten Filmmusik zu „Schindlers Liste“ für Yo-Yo Ma geschaffen hat. In den berühmten, zeitlos berührenden Motiven zeigt sich die ganze Meisterschaft sowohl von Williams als auch von Ma, der soeben für „seine Meisterschaft, seine Leidenschaft und seine Hingabe an die Musik“ mit dem Birgit-Nilsson-Preis, einer der höchstdotierten Auszeichnungen für klassische Musik, geehrt wurde. „Als ich zum ersten Mal John Williams' "Theme" aus "Schindlers Liste" spielte, brachte es mich in einen emotionalen Raum, dem ich nicht entkommen konnte“, schreibt der Cellist in einem Tweet.

Das Album enthält ein weiteres Arrangement für Cello und Streicher von „With Malice Toward None“ aus Williams' Musik zum Film „Lincoln“ von 2012. Es schließt mit einem Duo-Arrangement für Ma und den Gitarristen Pablo Sáinz-Villegas von „A Prayer For Peace“ aus dem Film „München“ von 2005. Alle drei Filmmusiken sind Teile der langjährigen Partnerschaft von John Williams mit Regisseur Steven Spielberg.

Williams und Ma lernten sich vor etwa vier Jahrzehnten kennen, als Williams Dirigent des Boston Pops Orchestra wurde und Ma gerade seine Solokarriere begann. Das bisher einzige gemeinsame Album entstand 2001. Einer der Höhepunkte ihrer langen Zusammenarbeit: die Amtseinführung von US-Präsident Barack Obama im Jahr 2008.

Von den ersten Begegnungen an – so heißt es im Pressetext - habe jeder im anderen das Verständnis erkannt, dass, wie Williams es ausdrückte, „Musik unser Sauerstoff ist“. Wirklich viel Neues bietet „A Gathering Of Friends“ zwar nicht, doch für Fans zeigt es die ganze Bandbreite des Komponisten und einen Querschnitt seines unermüdlichen Schaffens.