Astrologisch stand 2014 im Zeichen des Saturn. Den Pop jedoch bestrahlte der Glutaeus, mit anderen Worten und Verlaub der exorbitante Halbmond, den Celebrities wie Kim Kardashian, Iggy Azalea und J-Lo sowie natürlich Nicki Minaj als Gesäß und Argument für die Fanzuneigung in die Diskussion schüttelten.

„Oh my god! Look at her butt“, bestaunte sich Minaj auf der Single „Anaconda“ und ihrem monothematischen Video, womit sie ihr nunmehr erschienenes, drittes Album „The Pinkprint“ vorab bewarb. Die lauthals drastische Nummer (nein, es geht nicht wirklich um die gleichnamige Riesenschlange) beruht zwar etwas entnervend auf den Kindergartenbeats von Sir Mix-A-Lots Herrenwitz „Baby Got Back“ von 1992, ist allerdings immerhin raptechnisch angemessen knallig. Ganz ähnlich fällt auch das Album mal wieder überwiegend anregend aus, aber eben nicht ganz so gut, wie es hätte sein können, auch wegen der (in der Deluxe-Edition) anstrengenden 22-Track-Überlänge.

Minaj gilt nicht nur der New York Times als „wohl einflussreichste Rapperin der Geschichte“, in der Forbes-Liste der „HipHop Cash Kings“ rangiert sie als erste und einzige Queen dauerhaft in den Top Ten. Gern mit Lady Gaga verglichen, zeigte sie sich bislang zumeist als cartoonhaftes, hypersexualisiertes Barbie-Spektakel in grellen und neon-bunten Perücken, schick verwirrten Kostümen und verwirrend wechselnden, auch männlichen Rollen.

In ihrer aktuellen Inkarnation gibt sie sich vergleichsweise introspektiv, erzählt unter Echthaar öfter von gebrochenem Herzen und vergeblichem Einsatz von Pillen und Zaubertränken – vergleichbar Rap-Selbstzweiflern wie Drake, der sich hier unter Gäste wie Beyoncé und Ariana Grande sowie etwa 25 Produzenten mischt.

Weil Minaj meist über genug Schmiss verfügt, um auch allzu radiosüchtige Hooks zu beleben, misslingt eigentlich nichts offensiv, nicht mal die Klavier-Ballade „Grand Piano“ oder der austauschbare EDM-Stomp „The Night Is Still Young“.

Betrübt bemerkt man jedoch die Fallhöhe zu elegant reduzierten, virtuos und gewitzt berappten Nummern wie dem toll fiependen und puffenden, wörtlich zu verstehenden „Feeling Myself“ mit Beyoncé; zu verrauschten, wehen Nummern wie „Crying Game“; oder HipHop-Tracks wie den höchst minimalistischen, kühlen „Shanghai“ und „Only“. Selbst der Radio-Pop-Rap gelingt angenehm funktionstüchtig auf dem klug mit pochender Drum und Klavierakkord grundierten „Pills N Potions“ und dem munteren „Get On Your Knees“.

Darin kommt sie übrigens noch einmal eloquent auf ihren Hintern zu sprechen, der gerade wie ihre Songs die Konkurrenz – aktueller Diskursbeitrag von Iggy Azalea und J-Lo: die Single „Booty“ – aussticht. Für die Leser des Gentleman-Magazins GQ hat sie den „sexiesten Po des Jahres“. Doch Vorsicht: „Mein Hintern ist ein Geschenk“, erklärt sie den Herren, „nur wenn du lang genug bettelst, setz ich mich auf dein Gesicht.“

Nicki Minaj: The Pinkprint (Universal)