Berlin - Man muss nur etwas wirklich ganz fest wollen, dann klappt das auch mit der Umsetzung. Manchmal stimmen solche Binsenweisheiten. Der Dichter Rolf Hochhuth hat über Jahre gekämpft und geningelt, Politiker genervt, Redaktionen gedrängt, Agenturen getriezt und Balladen geschrieben, ehe er sich durchsetzen konnte mit seiner Idee vom Denkmal für einen Beinahe-Vergessenen: Gestern wurde in der Wilhelmstraße ein Denkzeichen für den Hitler-Attentäter Georg Elser eingeweiht. Er ist vor 72 Jahren, am 8. November 1939, im Münchner Bürgerbräukeller mit einem Anschlag auf Hitler gescheitert, noch am selben Tag verhaftet und einen Monat vor Kriegsende hingerichtet worden. Hitler hatte die Veranstaltung unerwartet 13 Minuten früher verlassen als geplant und das Attentat überlebt. Acht Menschen kamen ums Leben.

Feierliche Eröffnung

Bis in die 1990er-Jahre verschwiegen die großen deutschen Lexika – die ostdeutschen also bis zum Schluss – jeden Hinweis auf den ersten Hitler-Attentäter. Darüber empört sich Rolf Hochhuth bis heute, zu Recht. Und zu Recht versucht er diesem Vergessenen und Verfemten eine angemessene Öffentlichkeit zu verschaffen. Ob dies das richtige Denkmal, ob die Wilhelmstraße der richtige Ort ist, darüber darf man sehr geteilter Meinung sein, nicht aber über den Mut, die Weitsicht, die Unerschrockenheit dieses einfachen schwäbischen Tischlers, der Recht und Unrecht unterschied und mit seinem Sprengsatz den weiteren Krieg verhindern wollte.

Zur feierlichen Eröffnung des Denkmals an der Wilhelmstraße mit so viel Politprominenz, dass die Stühle nicht reichten, erschien Hochhuth dem Anlass angemessen mit dunklem Anzug, tatsächlich zugeknöpft, aber doch ohne Mantel. Er nannte dies eine biblische Stunde und ging in seiner Rede der Frage nach, warum die Deutschen ein so „feindseliges Nichtverhältnis“ zu Elser haben. Möglicherweise habe es mit dem Individualismus des Täters zu tun. Schon die Nationalsozialisten hatten sich nicht vorstellen können, dass es sich um die Tat eines Einzelnen handelte und über Jahre mit allen Mitteln versucht, die „Hintermänner“ aus ihm herauszupressen. Niemand konnte sich vorstellen, dass Elser ein Jahr lang allein an dieser Bombe gebastelt hatte. Um sie zu platzieren, war er 35 Nächte in der Gaststätte zugange. Seine Bassgeige musste er dafür verkaufen – solche Einzelheiten weiß der angefeindete Individualist Hochhuth über den angefeindeten Individualisten Elser, der den Lauf der Weltgeschichte beinahe geändert hätte und dann trotzdem fast vergessen war.