BerlinRaus aus dem Studio: Die Kultursendung „Aspekte“ wird ab dieser Woche (Freitag, 23.10., 23 Uhr im ZDF) als Reportageformat ausgestrahlt. Kunst, Kino, Literatur, Musik und Gesellschaftsthemen sollen an interessanten Orten erörtert werden, ergänzend zu Filmeinspielern. Nach gut sechseinhalb Jahren endet die Zeit als eine Art Show mit Studiopublikum, die es zumindest vor Corona gab. Noch sieben von 2020 insgesamt 39 Ausgaben kommen bis Jahresende. Neu ist außerdem, dass die Sendung schon immer freitags ab 21 Uhr in der ZDF-Mediathek abrufbar sein soll.

Vor 55 Jahren war „Aspekte“ die erste überregionale Kultursendung des deutschen Fernsehens. Nur die ersten drei Ausgaben mit Walther Schmieding ab dem 17. Oktober 1965 trugen noch den Titel „Kulturbericht“.

„Ich fand es in all den schönen Studio-Jahren immer schon reizvoll auszufliegen“, sagt die Moderatorin Katty Salié. „Die Biennale von Venedig oder unsere Berichterstattung aus den europäischen Kulturhauptstädten - mittendrin zu sein ist immer ein großer Gewinn.“ Und der andere Moderator Jo Schück  sagt: „Mein Reporterherz hat nie aufgehört zu schlagen, jetzt schlägt es wieder ein kleines bisschen schneller.“ Frühere Moderatoren waren etwa Luzia Braun (1993 bis 2011) und Wolfgang Herles (2000 bis 2011). Seit 1979 vergibt das ZDF-Magazin auch den „Aspekte“-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Romandebüt- in diesem Jahr an Deniz Ohde für „Streulicht“.

Die erste neue Ausgabe moderiert Salié, dann immer im Wechsel mit Schück: Das Thema ist Spiel und Spielen. Dabei geht es unter anderem um den neuen Boom der Brett- und Videospiele, Machtspiele in der Politik und Thomas Hettches Roman „Herzfaden“. Diana Damrau singt eine Arie aus Donizettis Oper „Maria Stuarda“.

Redaktionsleiter Daniel Fiedler in Berlin sagt, heute könne man im linearen Fernsehen viel schneller Zuschauer verlieren als noch vor ein paar Jahren, etwa wenn eine Studiosendung zu viele Stimmungs- und Emotionswechsel habe. „Aspekte“ gelinge  es in der Reportageform besser, Geschichten zu erzählen oder gesellschaftliche Debatten abzubilden. „Gerade für die nicht-lineare Nutzung per Mediathek bietet die Reportageform Vorteile. Reportagiges wirkt zeitloser.“

Schon vor der Pandemie habe es Überlegungen gegeben, das Format zu verändern. Das Virus habe die Entwicklung beschleunigt. Das Team habe aus Sicherheitsgründen ab Ende März vieles lieber draußen produziert. Das habe auch der Quote gut getan. Im Schnitt schauten 2020 bislang etwa 1,2 Millionen freitags abends zu. Der Marktanteil stieg in den vergangenen Monaten auf durchschnittlich um die sechs Prozent.