Hamburg - Auf ihrem am Freitag erscheinenden neuen Album zeigt sich Nena von einer neuen Seite. Das hat mit dem Hamburger Rapper Samy Deluxe zu tun, denn „Oldschool“ ist eine gemeinsame Produktion der beiden Künstler.

Nena, Ihr Album heißt „Oldschool“ und in dem Song dazu singen Sie davon, dass Ihre erste Platte vor 34 Jahren erschien.

Ja, und weiter heißt es: „Sie ist so alt, man kann sie nicht mal mehr im Laden kaufen.“ Dass das erste Nena-Album vor 34 Jahren rauskam, fühlt sich für mich unendlich lang an, es könnte aber auch genauso gut gestern gewesen sein. Ich muss schmunzeln, wenn ich mir überlege, wie viel doch in ein einziges Leben reinpasst.

Für das Album haben Sie mit dem Hamburger Rapper Samy Deluxe zusammengearbeitet. Hat Ihnen seine Außensicht auf Sie und Ihr Werk noch mal eine andere Perspektive gegeben?

Samy hat für „Oldschool“ den Anstoß gegeben und kam irgendwann ungefragt mit Songideen, die mich schon beim ersten Hören beflügelt haben. Ab da waren wir praktisch unzertrennlich. Er hat auf jeden Fall noch mal eine andere Perspektive reingebracht.

Wenn jemand anderes sich Gedanken macht, wie er Nena sieht, kann das auch schnell in Klischees abdriften.

Nee, wir sind nicht in Klischees abgedriftet, aber wir haben eins ganz bewusst aufgegriffen, die Berufsjugendliche.

Frauen im Popbusiness wird das ja gerne vorgeworfen.

Stimmt, da bin ich nicht alleine.

Madonna wirft man vor, sich unangemessen freizügig anzuziehen.

Und wenn Madonna nackt über den Jungfernstieg reitet... Ich bin für maximale künstlerische Freiheit auf allen Ebenen.

War es Ihnen ein Bedürfnis, sich das mit der Berufsjugendlichkeit von der Seele zu singen?

Erstaunlicherweise kam die Initialzündung für den Song von den Männern. Samy und die anderen Jungs haben sich in einer Nacht, als ich schon längst im Bett war, in die Außen-Perspektive gebeamt und darüber abgejamt, was ich oft zu hören kriege, wenn ich unterwegs bin.

Haben Ihnen die Männer auch zum ironischen Umgang mit dem Klischee der Berufsjugendlichkeit verholfen?

Ich kann gut über mich selber lachen, und überhaupt lache ich sehr gerne. In den Achtzigern wurde ich dafür oft angemacht. Es hieß: Jemand, der so viel lacht, kann keine Tiefe haben und nicht ernst durchs Leben schreiten. Das fand ich sehr befremdlich. Meine Oma hat früher schon immer zu mir gesagt: “Kind, Lachen ist die beste Medizin.“ Und sie hatte Recht.

Verletzt es Sie, wenn Sie Kritik über sich lesen?

Offenes Feedback nehme ich mir zu Herzen, ohne Signale von außen bin ich aufgeschmissen. Ich muss aber nicht mehr mit allem, was auf mich einströmt, in Resonanz gehen. Vieles perlt einfach an mir ab, vor allem, wenn es mir nicht gut tut.

Ist „Berufsjugendlich“ denn auch ein feministisches Statement?

Ich würde mich nicht als Feministin bezeichnen, einfach, weil ich grundsätzlich keine Lust auf Etikettierung habe. In meiner Wahrnehmung gibt es auf jeden Fall Unterschiede zwischen Mann und Frau, und es ist hilfreich, das zu akzeptieren und anzuerkennen. Ich finde nicht, dass Männer unbedingt putzen und kochen müssen, um zu beweisen, dass sie gleichwertig sind.

Sind wir schon so weit, dass Männer das müssen?

Der Trend geht doch schon lange in die Richtung. Männer sollen überall mitmischen, das erwarten viele Frauen. Die Grenzen verschieben sich da ständig, ich finde das gut. Auch eine klassische Rollenverteilung kann toll sein, wenn man sich bewusst dafür entschieden hat. In einer gesunden Lebensgemeinschaft wandert die Autorität sowieso von einem zum anderen. Ich bin gerne Anführer, auch zu Hause, aber ich gebe diese Rolle auch immer wieder an meinen Mann und andere Familienmitglieder ab und lasse mich gerne von ihnen führen.

Wann ist Nena eigentlich oldschool?

Demnächst gehe ich auf Clubtour. So habe ich 1978 angefangen. Damit verbinde ich auf jeden Fall ein authentisches Oldschool-Gefühl.

Sind Sie auch oldschool in privaten Dingen? In Handarbeiten zum Beispiel?

Handarbeit ist ja wieder schwer im Kommen. Stricken kann ich auch ganz gut.

Und Sie feiern gerne Vinylscheiben-Partys im Wohnzimmer!

Klar, ich lege immer noch meine alten Platten auf und schwelge dann in Erinnerungen.

Ihre nun anstehende Clubtour wird eine Familienunternehmung: Ihre Kinder werden Sie begleiten.

Meine Kinder haben alle ihre eigenen Projekte und entscheiden selbst, an welchen Stellen wir zusammenarbeiten. Als Musiker begegnen sie meiner Band und mir auf Augenhöhe, und es macht uns großen Spaß, zusammen Konzerte zu spielen. Jetzt ist einer meiner Keyboarder für die Clubtour ausgefallen, und wenn ich Jobs zu vergeben habe, suche ich immer erst mal im engsten Kreis. Diesmal fragte ich meinen jüngsten Sohn, ob er die Tour mit uns spielen will. Er hat mich nur breit grinsend angeschaut und gemeint, dass das für ihn eine krasse Erfahrung wird, die er auf jeden Fall mitnehmen möchte. Meine Kinder sind alle sehr musikalisch.

Sie kommen also nach ihrer Mutter.

Von Eltern gucken sich Kinder vieles ab, aber das meiste bringen sie auf jeden Fall selber mit.

Das Interview führte Katja Schwemmers.