Der Schauprozess beginnt mit leichter Verspätung. Weil die Zufahrtsstraßen zum Deutschen Theater am ersten Abend dieses Berliner Premierenwochenendes ins Blaulicht des Erdogan-Besuchs getaucht sind, eilen viele Besucher erst deutlich nach halb acht auf ihre Plätze. Und während wenige Kilometer weiter das Schauspiel der internationalen Diplomatie nicht gänzlich störungsfrei über die Bühne geht, spielt das Theater wieder seine aktuell liebste Rolle als Gegenwartskorrektiv.

Hier sollen Köpfe rollen, weil Europa im Jahr 2028 endgültig kaputt ist, Italien die EU verlassen hat und ein autonomer Nordsee-Inselstaat entstanden ist. Eine Aktivistengruppe kidnappt die Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft und stellt sie im Livestream vor das Tribunal ihrer Follower. Sie dürfen abstimmen, ob den Anklagten die „finale Lösung“ bevorsteht oder die Befragung fortgesetzt werden soll. „Let Them Eat Money“ nennt sich diese Performative Armee Fraktion, und so heißt auch das Stück, das der Regisseur Andres Veiel und die Autorin Jutta Doberstein entwickelt haben.

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