Deutschland erhält zwei neue Welterbestätten. Zum ersten Mal zeichnete die Unesco jüdisches Kulturgut in Deutschland aus, indem die begehrte Auszeichnung an die sogenannten Schum-Stätten Mainz, Worms und Speyer als eine Wiege des europäischen Judentums ging. Auch der Niedergermanische Limes als Teil der Grenze des antiken Römischen Reiches wurde neu als Welterbe eingestuft. Das zuständige Komitee der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) traf die Entscheidungen überraschend noch am Dienstag auf seiner Sitzung im chinesischen Fuzhou.

Als Welterbe werden nur Kultur- und Naturstätten von „herausragendem universellen Wert“ ausgezeichnet. Die Schum-Stätten Mainz, Worms und Speyer in Rheinland-Pfalz sind Orte des jüdischen Mittelalters und werden auch „Jerusalem am Rhein“ genannt. Schum ist eine Abkürzung aus den mittelalterlichen hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte. 

Der „nasse Limes“ entlang des Rheins

Nachdem die Diskussion über den Donaulimes als Teil der Grenze des Römischen Reiches am Vortag aus Verfahrensgründen einer Arbeitsgruppe übertragen werden musste, lief die Auszeichnung des Niedergermanischen Limes hingegen reibungslos. Im Rahmen des seriellen Welterbes „Grenzen des Römischen Reiches“ sind beide Abschnitte einzeln nominiert. Der rund 400 Kilometer lange Niedergermanische Limes mit seinen Kastellen und Legionslagern läuft entlang des Rheines. Man spricht dort auch vom „nassen Limes“.

Die Aufnahme des Niedergermanischen Limes ins Weltkulturerbe soll eine Lücke zwischen zwei bereits geschützten Abschnitten schließen - dem Obergermanisch-Raetischen Limes sowie dem Hadrianswall und einem weiteren in Großbritannien. Mit einer Entscheidung über den Donaulimes kann möglicherweise am Freitag gerechnet werden. Da Ungarn kurzfristig aus dem gemeinsamen Antrag mit Deutschland, Österreich und der Slowakei ausgestiegen war, stand die Unesco vor einem „beispiellosen Fall“.