Im Reisepass der Bundesrepublik Deutschland stehen alle persönlichen Angaben in Majuskeln, also Großbuchstaben, geschrieben. In meinem Pass sind ersten drei Buchstaben des Nachnamens korrekt, die letzten drei auch, in der Mitte steht: ß. Im nicht deutschsprachigen Ausland verwandele ich mich deshalb an der Grenze in eine Frau Geibler, die ich nicht sein möchte.

Amtierende Orthografen

Denn bis eben existierte das ß offiziell ohne Großbuchstaben, was unter anderem daran liegt, dass kein Wort mit ß beginnt. Doch am Donnerstag meldeten die Nachrichtenagenturen: „Die deutsche Sprache hat jetzt auch ein großes Eszett.“ Beschlossen habe dies der Rat für deutsche Rechtschreibung, die seit 2004 amtierende länderübergreifende Instanz für die deutsche Orthografie.

Bereits im Juni 2008 hatte das Deutsche Institut für Normung (DIN) zugelassen, dass ein ß-Großbuchstabe geschaffen werde, fast auf den Tag genau neun Jahre später gab der Rat nun seinen Segen dazu. An dieser Stelle sei an ein Zitat des römischen Dichters Horaz erinnert, das gern redensartlich verkürzt wird zu: Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

B mit abgerundeter Ecke

Sprachwissenschaftler tagten, befragten die Geschichte (wo das ß in der Frakturschrift entstand), schauten in die Schweiz (wo das ß abgeschafft ist und sich das Fragezeichen seinen Platz auf der Computertastatur mit dem Apostroph teilt) und kamen zu einer maushaften Lösung: Denn der neue große Buchstabe sieht aus wie ein B mit abgerundeter oberer Ecke. Genauso wirkte es bisher auch schon in meinem Pass. Nicht als eigenständiger Buchstabe ernst zu nehmen.

Die meisten Computer-Schriften haben der DIN-Regel zufolge nun eine Tastenkombination für das Dings: Man tippt 1E9E und dann die Alt-Taste plus C. Noch aber bleibt der Ersatz des ß durch das Doppel-S erlaubt. Der Rat für deutsche Rechtschreibung überlasse die Durchsetzung „dem freien Spiel der Kräfte“. Ich finde, da müssen noch einmal die Typografen ran.