Das kann man ja eventuell doch als Überraschung betrachten: Vier Wochen vor dem annoncierten Termin vom 7. bis 9. September haben die Veranstalter des Berlin Festivals bekanntgegeben, dass sie aus dem seit 2009 bespielten Flughafen Tempelhof auf das weit kleinere Gelände der Arena Treptow umziehen.

In diesem Jahr finden die Konzerte also nicht mehr open air unter dem Vordach des Flughafengebäudes und in den angrenzenden Hangars statt, sondern in der Arena und den drum herum liegenden Clubs, auf dem Badeschiff, im White Trash, im Ipse Club sowie im Club der Visionäre. Nach dem Rückzug der Modemesse Bread&Butter verliert Tempelhof damit binnen kurzem seine zweite international reputierliche Großveranstaltung. Früher waren die Protagonisten der hiesigen Hipsterkultur so begeistert von dem alten Flughafen, warum finden ihn jetzt alle doof?

Mitten ins Herz des Nachtlebens

„Ach was! Es geht gar nicht um Tempelhof“, sagt der Programmchef des Berlin Festivals, Stefan Lehmkuhl, auf Nachfrage. „Wir haben uns nicht gegen den Flughafen entschieden, sondern für Treptow, für die Arena und die umliegenden Clubs.

Man habe das Festival schon länger in das „Herz von Berlin“ hineinverlegen wollen oder doch jedenfalls „in das Herz des aktuellen Berliner Nachtlebens rund um das Schlesische Tor“. Auch habe sich gezeigt, dass ein Pop-Festival klassischen Zuschnitts, bei dem es teure Headliner auf großen Bühnen gibt und dazu noch ein paar kleinere Acts, in Berlin nicht dauerhaft funktioniert. „Wir haben keine stabile Basis gehabt, um diesen Weg weiterzugehen.“ Darum habe man sich in diesem Jahr die großen Ausgaben gleich ganz gespart und sich auf die kleineren Acts konzentriert.

Das stimmt! Schon bei den ersten Programmankündigungen im Frühjahr hatte man einen erheblichen Unterschied gegenüber 2013 festgestellt. Wurden damals Björk, Blur und die Pet Shop Boys als Haupt-Attraktionen geführt, findet man nun an gleicher Stelle zweifellos ebenso tolle, aber eben doch weit weniger bekannte und also publikumsträchtige Künstler wie Woodkid oder Jessie Ware.

Gab es denn jemals die Hoffnung, mit denen das Tempelhofer Areal vollzubekommen? „Nein“, sagt Lehmkuhl, „wir wollten von vornherein in die Arena, aber wir wollten eben auch das gesamte Gelände bespielen, das Badeschiff, das White Trash, den Ipse Club und den Club der Visionäre. Uns war klar, dass das Festival auch einen Open-Air-Aspekt haben muss, um sich wirklich im Nachtleben der Stadt verwurzeln zu können.“

Gerade deswegen sei es aber sehr schwierig gewesen, die nötigen Genehmigungen zusammenzubekommen – „und als wir dann“, so Lehmkuhl, „im April immer noch nicht ausreichend positive Signale von den Behörden bekommen hatten, ging uns einfach die Puste aus. Wir mussten das Programm annoncieren und den Vorverkauf starten, darum haben wir uns eben doch für Tempelhof entschieden.“

Dann aber, als das Festival seinen Verbleib am alten Platz erklärte, habe sich in den Behörden des Bezirks Treptow-Köpenick doch großes Bedauern ausgebreitet, und im Lauf der letzten Wochen habe man tatsächlich noch alle nötigen Genehmigungen erhalten. „Das ist der einzige – und wirklich auch der einzige – Grund dafür, dass wir uns und allen Beteiligten jetzt vier Wochen vor dem Festivaltermin noch diesen Umzugsstress zumuten.“

Schleppender Vorverkauf

Und es hat also nichts – und wirklich nichts – damit zu tun, dass der Vorverkauf in diesem Jahr noch weit schleppender läuft als in den Vorjahren und man sich daher in einem kleineren Gelände, in einem kleineren Rahmen zurechtschrumpfen muss?

Schon das letzte Festival war keineswegs ausverkauft, was angesichts der teuren Superstars eine finanzielle Belastung dargestellt haben dürfte. „Nun ja“, sagt Lehmkuhl, „unsere Besucherzahlen haben in den letzten fünf Jahren stark geschwankt. Unser Rekord lag bei fast 30.000 im Jahr 2012, im letzten Jahr waren es 20.000.“ Aber nicht mal die passen ja auf das Gelände in Treptow, oder? „Nein, wir waren auch von vornherein nicht so vermessen zu glauben, dass wir mit unserem diesjährigen Konzept und Line-Up so viele Leute anlocken würden.“ Wieviel passen da also hin? „Wenn man alle Locations mit einberechnet: 15.000“, sagt Lehmkuhl, „und ich denke, so viel Leute können wir mit unserem Programm auch erreichen.

In Treptow können wir wieder ein lebhaft gefülltes Festival hinbekommen – wenn nicht gar ein ausverkauftes.“