Nora Shaheen (Lorna Ishema), Anwältin in der Rechtsabteilung der Firma Lindemann, ahnt nicht, welche Gefahren dieser Job mit sich bringt.
Foto:  ZDF/Frank Dicks

Ein Auto im Blindflug: Die Fahrerin (Laura Berlin) hält weder das Lenkrad fest noch schaut sie durch die Frontscheibe. Stattdessen tippt sie auf einem Display herum – und rast gegen eine Fußgängerin, die an den Folgen verstirbt. Der Unfallwagen ist ein besonderes Fahrzeug. „Lindi 1“ ist der Prototyp eines selbstfahrenden Autos und Renommierobjekt des Technologiekonzerns Lindemann.

Künstliche Intelligenz spielt eine wachsende Rolle im deutschen Fernsehkrimi. Ein selbstfahrendes Auto war in einem Saarbrücker „Tatort“ schon einmal das Mordwerkzeug. Auch „Breaking Even“ kommt technikkritisch daher. Nora (Lorna Ishema), aufstrebende Anwältin der Lindemann-Rechtsabteilung, findet schon beim ersten Griff ins Firmenarchiv einen Bericht über Probleme mit den Bremsen. Doch dann wird ihr Mobiltelefon mit den Aufnahmen von der Öko-Aktivistin Jenny (Sinje Irslinger) geklaut. Prompt landen die Fotos in den Medien und stellen den Konzernchef bloß.

Im weiteren Verlauf aber interessiert sich die sechsteilige Serie auf ZDFneo immer weniger für den Umgang mit der Technik, sondern fokussiert sich stattdessen ganz auf die Konzernspitze: die Familie Lindemann. Nun gibt es ja durchaus Beispiele dafür, wie deutsche Autohersteller von Familien wie Piëch und Porsche geprägt werden. „Breaking Even“ aber stellt zwei komplett gegensätzliche Prototypen gegeneinander: Benedikt Lindemann (Justus von Dohnanyi) tritt als verantwortungsbewusster Konzernlenker auf, er wirbt für die Technik der Zukunft.

Sein Widerpart ist der leichtlebige Maximilian (David Rott), der sich nur für PS-starke, teure Sportwagen interessiert, nun aber seinen Platz einfordert und vor keiner Intrige zurückschreckt. Unterstützt wird er von der Mutter (Nicole Heesters) – die „Graue Eminenz“ war zunächst Kindermädchen des Konzerngründers David (Dieter Schaad) und heiratete ihn dann. Erstes Opfer der Intrigen ist Benedikts Tochter Charlotte – die Entwicklungschefin fuhr den Unfallwagen.

„Breaking Even“ erzählt aber nicht nur vom Innenleben der Lindemanns, sondern aus der Sicht zweier Außenseiterinnen. Immer tiefer in die Familiengeschichte hinein dringt die Anwältin Nora, deren steiler Aufstieg aus einer vielköpfigen Einwandererfamilie hier nicht thematisiert wird, und die Punkerin Jenny, die mit den Lindemanns abrechnen will. Ihre Mutter hatte als Pflegerin für die Familie gearbeitet und war umgebracht worden.

Die Macher der Serie haben ihre Meriten: Regisseur und Co-Autor Boris Kunz und Headautor Rafael Parente sind die Erfinder der rasanten Serie „Hindafing“, die mit viel trockenem Witz die bayerische Lokalpolitik auseinandernahm. Doch dieser Schwung fehlt hier. „Breaking Even“ überhöht die Dekadenz der Lindemanns bis ins Monströse: So feiern sie auf ihrem Spukschloss die Verbrennung einer toten Eule als bizarres Familien-Event. Schauspielerisch wird dafür einiges geboten: Vor allem Justus von Dohnanyi zeigt in jeder Folge eine andere Facette – seine Figur lässt sich bis zum Finale kaum einordnen.

Doch anders als andere ZDFneo-Serien spielt der Sechsteiler nie mit dem gesellschaftlichen Wandel. Für die Arbeitswelt der Moderne finden die Macher, wenn überhaupt, nur überholte Bilder. „Breaking Even“ ist weit entfernt von der ZDFneo-Serie „Bad Banks“, orientiert sich eher an 80er-Jahre-Klassikern wie „Das Erbe der Guldenburgs“ oder „Dallas“. Ob sich die Lindemanns nun mit einer Autofabrik, einem Gestüt oder einem Ölfeld duellieren, bleibt letztlich völlig egal.

Breaking Even – ab Mi, 14.10., mittwochs eine Doppelfolge um 20.15 Uhr auf ZDFneo, alle sechs Folgen in der ZDF Mediathek.