Nick Hakim wuchs in Washington auf und lebt seit einigen Jahren in New York.
Foto: Guillaume Bonnefont

Berlin„Die Stadt wächst mir langsam echt ans Herz, mein Gesicht ist schon eins mit dem Beton“, singt Nick Hakim in dem Stück „Crumpy“ über sein Leben in New York. In Washington geboren, lebt er seit einem halben Jahrzehnt in New York, aber die Beziehung scheint noch wacklig. „Die Stadt am Meer wird mich irgendwann ertränken, nach sechs Drinks gehe ich unter.“

„Crumpy“ ist die zweite Single aus Hakims zweitem Album mit dem Titel„Will This Make Me Good“, und in der Tat rumort und knirscht es darin, während der 29-jährige Sänger und Produzent von aufgeschürften Knien und seelischen Verwundungen erzählt, von unterdrückten Gewaltfantasien und der Sehnsucht nach seiner offenbar unterwegs verloren gegangenen Liebe: „Come on now, let’s go home“.

Verlust, Sehnsucht, persönliche und soziale Krisen ziehen sich durch die elegant verwaschenden Downbeats des Albums. Den hellen Soul seiner Stimme, der auf „Green Twins“ vor drei Jahren noch recht vordergründig durch die Songs schmeichelte, nimmt er hier stärker zurück. „Will This Make Me Good“ lebt von den liebevoll geschichteten Arrangements. Er orientiert sich am psychedelischen Soul der Siebziger, an Shuggie Otis und Isaac Hayes, wie auch an Sounds von Produzenten wie Madlib und MF Doom.

Leider hat er sich dem Songschreiben nicht mit der gleichen Sorgfalt gewidmet. Ein paar Mal verschwappen ihm Tracks eher beiläufig im psychedelischem Rauschen. Wo er aber den Sinn für Textur und Farbe dramaturgisch liebevoll in Fluss bringt, gelingen ihm intensiv-nachhaltige Songs. Neben „Crumpy“ (mit einer vibrierenden Indietronica-Gitarre von Mac deMarco) gehört der Titelsong dazu, worin es zu einem unruhigen Brummbeat und gewittrig verhallten Stimmen und Gezische um Drogen und um Medikamente geht. Auch „Bouncing“ prägt sich mit einer quakigen Sixties-Orgel und superschiefen Geräuschen über einem etwas vermulmten Soulgesang unentrinnbar ein.

Das beeindruckende Highlight ist indes das siebeneinhalb Minuten lange „Qadir“. Hakim nimmt darin den Tod eines Jugendfreundes zum Anlass, den Verlust von Nähe und Zusammenhalt zu betrauern. Dazu baut er den Titel mit sturer Unausweichlichkeit und immer dringlicherem Gesang auf, er wächst von einer sparsamen Ballade zu einem mächtigen Soulschmachter mit weich-dunklem Bass, schwirrender Flöte, sphärischen Keyboards und Noises, mit anschwellenden, vielköpfigen Chören, aus denen einzelne Stimmen dramatisch ausbrechen.

Bei aller Verschwommenheit erheben solche Momente inniger Größe auch das Album als Ganzes. Hakim stürzt auf seinem unbefestigten Gebiet nicht ein, sondern findet, wenn auch oft tastend, Halt in Wärme und Soul.

Nick Hakim - Will This Make Me Good (Ato/ Pias/ Rough Trade)