Ein Politiker, der sich kümmert: der Europaabgeordnete Nico Semsrott 

BerlinEs zahlt sich doch aus, wenn man als Politiker Verantwortung übernimmt: „Danke, das spart so viel Geld und Nerven. Endlich kümmert die Politik sich um die Belange der Bürgerinnen und Bürger“, lautet ein Kommentar unter einem Servicetweet von Nico Semsrott (PARTEI). Der Europaabgeordnete hat ein „offizielles Entschuldigungsschreiben“ aufgesetzt für Leute, die noch kein Weihnachtsgeschenk besorgt haben.

Man solle sich keinen Stress machen, einfach das Dokument ausdrucken, ausfüllen und dann bei der betreffenden Person, die zu beschenken wäre, vorlegen. Die Schriftsache ist mit dem Briefkopf des Europäischen Parlaments versehen und auf „Brussels, 24. 12. 2019“ datiert. Man muss nur noch den Namen eintragen und einen Grund „Für die Nichtexistenz des Geschenks“ ankreuzen, Mehrfachnennungen sind möglich: Da wäre − wie immer leicht zur Hand als Generalverursacher so vieler Übel − der „weltweite Klimanotstand“.

Wer das Verschulden für den Geschenkeausfall nicht ganz von sich abkoppeln will, kann mit seiner Verpeiltheit um Verständnis bitten, dazu stehen gleich vier konkretisierende Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung: „Was? Es ist schon wieder Weihnachten“ oder „Keine passende Verpackung gefunden“ oder „Zu große Auswahl“ oder − unser Lieblingsgrund: „Angst nicht zu genügen“.

Eigenwerbung und Eigenwerbung

Plumpe Eigenwerbung ist dieser Grund: „Verspätung des Nico-Semsrott-Merchs“. Der will doch nur seine spaßigen Hoodies verkaufen. Darauf gehen wir überhaupt nur ein, weil wir hier Semsrotts Idee klauen. Denn die Berliner Zeitung möchte, wenn es darum geht, sich um irgendwelche Belange von Bürgerinnen und Bürgern, zumal Leserinnen und Lesern zu kümmern, an diesem Tag nicht hintanstehen.

So richtig im Geschenkestress scheint jemand, der wie Sie gerade Zeitung liest, zwar nicht zu sein. Aber bald schließen die Läden, und dann zieht sich die Schlinge zu. Gut, Sie können dann entspannt zu dem Semsrott-Schreiben greifen, aber was, wenn der Drucker streikt?

Dann zeigen Sie einfach diesen Artikel vor und verweisen auf diesen Satz: „Die Berliner Zeitung schließt sich der Entschuldigungskampagne aus dem Europäischen Parlament an − Wer kein Weihnachtsgeschenk hat, kann nichts dafür.“ Wenn das nicht klappt, basteln Sie einen Gutschein: Für Fragen zu Geschenkabonnements wenden Sie sich bitte an den Leserservice.