Aktuell steht das Reisen nicht hoch im Kurs. Nur der Tagesheilige des Sonntags, der Patron aller sich über Land und See Bewegenden, St. Nikolaus aus Myra, müht sich weiter. Schuhe – hoffentlich geputzt – und Säckchen sind mit Orangen, Äpfeln, etwas Schoko und Nüssen zu füllen, Wunschzettel einzusammeln für die Kollegen Weihnachtsmann, Christkind oder XY sowie Eltern zu erinnern, dass die Bedeutung einer Gabe sich nicht nach finanziellem Aufwand oder Größe berechnet, sondern nach der Zuneigung, die damit verbunden ist. Und dann ist da noch der rabauzige Mitarbeiter Knecht Ruprecht, der nicht lernen will, dass rutenschwingende Droh-Pädagogik ganz und gar out ist.

Er hat viele Namen, dieser trotz seiner nicht konfliktfreien Existenz hoffentlich fest angestellte und gut abgesicherte Mitarbeiter. Als schwarz geschminkter Zwarte Piet sorgt er immer wieder für antirassistische Proteste in den Niederlanden und Flandern. Im weiteren Umfeld der Alpen feiert man ihn als Krampus, und zwar am Vorabend des Nikolaustags mit oft satt betrunkenen Umzügen. Manchmal werden sie der noch bessern Gaudi wegen zusammengelegt mit den spätherbstlichen Perchten-Umzügen, die weibliche Unterweltgestalten wiederaufleben lassen. Beide, Krampus und Perchten, erschrecken die guten, sittsamen Bürger auf den Straßen und an den Türen mit phänomenal gruseligen Masken, zottigen Kostümen, bösen Sprüchen und Zoten und viel Krach aus Trommeln, Pfeifen und Topfdeckeln. Da kann kein Halloween-Umzug mitkommen.

Allerdings sind Krampus- und Perchten-Umzüge so beliebt, dass sie nun die österreichische Regierung Covid-19-bedingt verboten hat. Schlimm, schlimm. Der manchmal doch recht anstrengend gute Heilige Bischof Nikolaus braucht nämlich dringend das wilde Gegenbild, um so strahlend zu erscheinen: Er zähmt als Sinnbild ordnender Zivilisation in „seiner“ Nacht die wilden, barbarischen Gestalten, mit der Rute darf der wilde Krampus dann nur noch winken, wenn der Heilige es denn beföhle. Was er sicher nicht tut – anderes zu behaupten ist üble Nachrede.