Von der vielgerühmten, coolen Ambivalenz von Deichkind ist bei den Berliner Fans der Hamburger Elektrohopper eher wenig zu spüren. Beunruhigt drängeln sie in den massigen Trauben vor dem Einlass, knäueln sich vor den Abgängen zum Innenraum der Max-Schmeling-Halle und verlieren verzweifelt jede Fassung, als das Konzert loszugehen droht und sie noch im Thrombus festhängen, der die Bahn nach unten, zu den Stehplätzen vor der Bühne, verstopft. Sitzen will aber ohnehin niemand: Vom ersten bollernden Ton an hüpfen die Leute noch in den fernsten oberen Rängen der randlos ausverkauften Halle herum und werfen die Arme, ohne Unterlass, zwei Stunden lang.

Konsens-Band ist ein schwer untertreibender Begriff für die drei Rapper plus Regisseur und Produzent, die nach 18 Jahren Reimarbeit von Hools und Hipstern, Trinkern und Kiffern, Bild- und Zeit-Lesern gleichermaßen verehrt werden. Vor allem mit den letzten beiden Alben „Befehl von ganz unten“ und jetzt „Niveau, Weshalb, Warum“ holten sie auch das Bildungsbürgertum mit in das Schlauchboot, mit dem sie wie stets zum Ende der Show Federn werfend auf der schwappenden Menge schwimmen – ein bisschen degoutant vielleicht, aber eben „Leider Geil“, wie ihr mittlerweile böse ausgelutschter Slogan lautete, der ihnen vor drei Jahren zum ersten Top-Ten-Hit ihrer Karriere verhalf.

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