Interessante Fakten: No Doubts gesamte, erfolgreiche Fünf-Alben-Karriere vom Debüt 1992 bis zu „Rock Steady“ 2001 dauerte nicht so lange wie die Pause zum neuen, sechsten Album „Push and Shove“. Schwer vorstellbar, dass sich trotz immer noch erklecklicher Verkaufszahlen viele Menschen dringend nach dem Comeback gesehnt oder die Band während ihrer langen Abwesenheit vermisst haben. Vielmehr schien das Geheimnis von No Doubt eher darin zu bestehen, dass man ihnen ihre Musik einfach nicht übelnehmen konnte – angesichts der speziellen Mischung aus albernem New Wave Ska, kalifornisch sonnenverbranntem Poppunk und einer Oberflächenpolitur wie aus dem Disneyland ihrer Heimat Anaheim in Orange County gar keine so leichte Übung.

Sie gelang, weil No Doubt einerseits ziemlich sympathisch darauf beharrten, nicht viel mehr als eine nicht sehr helle, aber umso nettere Partyband zu sein. Immerhin benannte Gwen Stefani sogar stets konkret die Herren – Mitmusiker und Ex-Freund Tony Kanal sowie Britgrunger und Nochehemann Gavin Rossdale –, die ihre Gedanken zu Liebespein und Liebesglück inspirierten. Daher klang andererseits die Musik zwar weder cool noch schön, war aber mit Pferdeposterballaden wie „Don’t Speak“ und den schweren Power Pop-Momenten doch etwas leidenschaftlicher gestrickt als die Produkte der Mainstream-Pop-Konkurrenz. Für ihr letztes Album „Rock Steady“ hatten sie ihren Sound sogar mit Dancefloor-Produzenten wie den Neptunes und echten Dancehall-Reggae-Leute wie Sly and Robbie hübsch aufgepeppt und basshalber tiefergelegt.

Eine nachhaltige ästhetische Wirkung innerhalb des Chartspops erzielten sie damit sowenig, wie Gwen Stefani mit dem Elektropop ihrer zwischenzeitlichen Solokarriere. Trotz hoher Produktionsstandards und – jedenfalls zunächst – einiger Anerkennung standen Stefanis Mühen unter ähnlichen Vorzeichen wie der Band-Erfolg: Ihre Tracks waren klüger und amüsanter als es der Barbie-Kitsch ihres Produktdesigns erwarten ließ, aber nie so schamlos ehrgeizig oder schrill, um dauerhaft in die Sphären von Madonna, Beyoncé oder gar Gaga vorzustoßen.

So geht es nun auch mit „Push and Shove“. Man hat den Eindruck, dass nicht einmal die Band wirklich auf das Album gewartet hat. Tatsächlich hatten die restlichen und weniger glücklichen Bandmitglieder bereits vor vier Jahren ohne Stefani mit der Arbeit begonnen. Erst 2010 stieß Stefani dazu, nachdem ihr, so klingt das in den aktuellen Interviews, aufgefallen war, dass ihr Solo schon viel länger dauerte, als sie es geplant hatte. Diese etwas wurschtige Nonchalance wirkt wieder einmal durchaus sympathisch.

Es gibt auf „Push and Shove“ nicht einen Titel, der auffällig interessant oder zeitgemäßer als eine Katy-Perry-Nummer wäre, obwohl man in „Settle Down“ gleich mit dicken elektronischen Bollywood-Streichern und viel Bass ins Album geführt wird und immerhin Diplo, Star des Worlddisco-Trends der späten Nullerjahre, das Titelstück rappelnd designt hat.

Umgekehrt findet man aber auch keinen der wie üblich eklektisch rave-rockigen Songs, für den man gleich ins Autoradio schießen müsste, wenn er liefe. Stefani grübelt gelegentlich – diesmal ohne offizielle Begründung – über die harte Arbeit im Bergwerk der Liebe, aber zentraler geht es ums schnelle, irre Leben im südlichen Kalifornien. Wo offenbar nicht nur immer die Sonne scheint, sondern auch die Zeit stillsteht.

No Doubt: Push and Shove (Universal)