Publikum auf der Frankfurter Buchmesse
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BerlinDie Tage sind gezählt. Am Montag sind es 142 bis zur Frankfurter Buchmesse, laut Countdown auf der Webseite. Einer Mitteilung des Oberbürgermeisters von Frankfurt am Main zufolge sind die Veranstaltungssäle der Stadt für die üblichen Preisverleihungen und Lesungen reserviert, außerdem zusätzliche Messehallen, um mehr Platz zu schaffen und Abstand zu ermöglichen. Ein Hygienekonzept der Gesundheitsbehörden gebe es auch. 

Als Anfang März die Leipziger Buchmesse nur acht Tage vor ihrem Beginn wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde, traf es die Stadt hart: die Hotels, die Mitarbeiter der Messe, die ein Jahr dafür gearbeitet hatten, sowie jeden einzelnen Verlag, der sein Programm präsentieren wollte. Und die Autoren der Bücher. Zwölf Wochen später leidet die Branche unter großen Umsatzverlusten.

Nun war das Lesen in der Zeit der reduzierten Kontakte nicht etwa verboten, doch Kauflust, -anreize und -notwendigkeit schwanden. Viele Verlage haben Erscheinungstermine in den Herbst verschoben, weil sie ihre Autoren mit neuen Titeln gern zu Veranstaltungen schicken würden, was derzeit nicht möglich ist. Etliche Bücher von kanadischen Schriftstellern wurden in den vergangenen Monaten und Jahren übersetzt, denn Kanada steht längst als Gastland der 2020er-Messe fest.

Die Frankfurter Buchmesse durchzuführen, könnte ein Neustart in die alte Normalität sein. Nur daran zu glauben, fällt immer schwerer. Mehr als 300.000 Besucher waren im Jahr 2019 auf der Messe, 355 Literaturagenturen, mehr als 7.450 Aussteller aus 105 Ländern präsentierten Bücher und Buchverwandtes. Das waren Erfolgsmeldungen damals; die Zahlen helfen heute keinem mehr. Ende dieser Woche wird die Frankfurter Buchmesse GmbH ihre Entscheidung bekannt geben, ob und in welcher Weise das Branchentreffen stattfindet. Bis dahin sind es nur noch vier Tage.