Berlin - Als die Drehbuchautoren irgendwann nicht mehr weiterwussten, schickten sie einfach Männer mit Maschinenpistolen in die Hochzeitsgesellschaft. Das minutenlange Gemetzel am Ende der fünften Staffel von „Der Denver-Clan“ ist eingefleischten Fans als das „Moldawien-Massaker“ in Erinnerung. Die amerikanische Fernsehserie mutete den Zuschauern in den 80er Jahren so manchen üblen Cliffhanger zu, aber dieser war der schlimmste. „Der Denver-Clan“, das war wie „Dallas“ ohne Prolls, dafür mit mehr Sexappeal. Vor 40 Jahren strahlte der US-Sender ABC die erste Folge des Dauerbrenners aus. Als das ZDF mehr als zwei Jahre später den Pilotfilm zeigte, saßen 45 Prozent des Publikums vor dem Bildschirm.

Für viele Mitwirkende war der „Denver-Clan“ Höhepunkt ihrer Karriere. Linda Evans war Ende 30, als sie die engelsgleiche Krystle zu spielen begann. Eine Sekretärin, die den fast 25 Jahre älteren Ölmagnaten und Patriarchen Blake Carrington heiratet und in ein Netz von Intrigen stolpert. Auch mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende der Serie besitzt Evans in Deutschland eine treue Fangemeinde, wie sie kürzlich der Deutschen Presse-Agentur erzählte. „Ich bekomme mehr Fanpost aus Deutschland als aus jedem anderen Land Europas.“ Diese Leute sagen Dinge zu ihr wie: „Der Denver-Clan, das bist Du.“ Krystle und Blake, das war ein seltsames Paar. Sie: die Schönheit von nebenan. Er: der Mann von Welt mit scharfen Zügen, die an einen Nussknacker erinnern.

Immer wieder sehr viel Rouge

Und die Familien-Mischpoke hatte es in sich: Setzten in der ersten Staffel noch freche Dienstboten und Blakes trotzige Tochter Fallon (immer mit sehr viel Rouge: Pamela Sue Martin) der armen Krystle zu, so betritt mit der zweiten Staffel erst die eigentliche Schurkin die Bühne: Alexis Carrington, gespielt von Joan Collins. „Das Biest Alexis“ war in den 80ern eine stehende Wendung – genau wie „der Kreml-Flieger Mathias Rust“ oder „der saure Regen“.

Die in London geborene Joan Collins hatte, als sie dazustieß, bereits viele Filme gedreht. Sie hatte etwa einen viel beachteten Gastauftritt bei „Raumschiff Enterprise“ gehabt. Das meiste andere war aber leider großer Schund gewesen – wie das Machwerk „In der Gewalt der Riesenameisen“ (1977). Im Machtkampf der Carringtons mit ihren ewigen Konkurrenten, den Colbys, wird sie zur Schlüsselfigur.

Es würde jeden Rahmen sprengen, die Verwicklungen in „Dynasty“ – wie „Der Denver-Clan“ im Original heißt – auch nur ansatzweise wiederzugeben. Es geht um Geld, um Macht, um Intrigen, um Sex, um platte Reiche-Leute-Klischees. Tochter Fallon schläft mit ihrem Chauffeur, Sohn Steven hat nach einem quälenden Hin und Her endlich sein schwules Coming-out. Farnsworth „Dex“ Dexter (Michael Nader) schläft mit Alexis, aber auch mit deren Tochter Amanda. Wer sich durch die Dekadenz und Inzucht ans Alte Rom erinnert fühlt, liegt nicht ganz falsch. Der historische Roman „Ich, Claudius, Kaiser und Gott“ (1934) von Robert Graves soll alles inspiriert haben. Relativ uninspiriert ist hingegen das Netflix-Remake von „Dynasty“ (2017).