Steirische Medien sprechen von einem „Königstransfer“: Nora Schmid, Schweizer Intendantin der Grazer Oper, habe „ein ganz besonderer Ruf erreicht“. Schmid wird ab dem Jahr 2024 die Intendanz der Semperoper in Dresden übernehmen.

Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch (CDU) stellte die 42-Jährige am Dienstag als Nachfolgerin von Intendant Peter Theiler (65) vor. Sie sei Intendantin einer neuen Generation, sagte Klepsch und lobte deren Motivation zur künstlerischen Exzellenz, Begeisterung für die Oper als gesellschaftlich relevantem Ort, kommunikative Stärke und zeitgemäßen Führungsanspruch. Das mache sie zu einer „profilierten, überzeugenden und gefragten Intendantin“.

Schmid war bereits von 2010 bis 2014 an der Semperoper als Dramaturgin tätig. Ab 2012 war sie zusätzlich mit den Aufgaben der persönlichen Referentin der Intendantin Ulrike Hessler betraut, nach deren Tod im Juli 2012 sie zur geschäftsführenden Interims-Intendanz der Semperoper Dresden gehörte.

Mit der Berufung von Schmid hat die Landesregierung sehr rasch eine Entscheidung über die Nachfolge von Theiler getroffen. Sein Vertrag war kürzlich um nur ein Jahr verlängert worden, er wird damit gleichzeitig mit dem musikalischen Leiter Christian Thielemann ausscheiden. Die Staatskapelle Dresden hat noch keine Entscheidung über die Thielemann-Nachfolge getroffen. 

Die gebürtige Schweizerin, die in ihrer Heimatstadt Bern und in Rom Musikwissenschaft und Betriebswirtschaft studiert hatte, war zunächst am Stadttheater Bern engagiert, wechselte dann als Orchestermanagerin zur basel sinfonietta. Sie arbeitete im Marketing an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, als Musiktheaterdramaturgin am Theater Biel Solothurn und als Dramaturgin für Oper und Konzert am Theater an der Wien.

Die Grazer Oper hat sie umgebaut und modernisiert. Ihr wird dabei großes Geschick attestiert. Auch in Dresden wird erwartet, dass die Semperoper einen neuen Kurs einschlägt. Kulturministerin Barbara Klepsch will die Oper für neue Publikumsschichten öffnen. Schmid hat diesen Prozess in Graz bereits erfolgreich in die Wege geleitet: Mit der Ukrainerin Oksana Lyniv holte sie eine der spannendsten Dirigentinnen an die Spitze des Hauses. Als erste Produktion nach Corona zeigt Graz dieser Tage die Oper „Die Passagierin“, 1968 von Mieczysław Weinberg in Moskau komponiert – ein beklemmendes Werk über die Schatten der deutschen Verbrechen. „Für mich müssen die zur Auswahl stehenden Werke im Hier und Jetzt einen Dringlichkeit besitzen“, sagte Schmid vor einiger Zeit der FAZ. Schmid hat es in Graz geschafft, die Transformation anzustoßen und die Zuschauer für den neuen Weg zu begeistern. Genau diese Kombination strebt die Semperoper an.