Das Museum of Arts in Brooklyn
Foto: Wikipedia CC 4.0/ William W. Ward

BerlinWenn nicht noch superreiche Mäzene – derer es trotz aller Corona-Krisen gerade in New York reichlich gibt – einschreiten, wird das sensationelle Museum of Art im Stadtteil Brooklyn im nächsten Monat eine heilige Regel der Museumskunde brechen: Es bietet dann im Oktober Werke unter anderem von Courbet, Corot und Lucas Cranach zur Versteigerung an. So soll der Tagesbetrieb finanziert werden. Die Museen haben seit Monaten geschlossen, noch mehr als in den staatlich finanzierten Institutionen Europas fehlen in Amerika die Gelder selbst für Notaufsichten und Restaurierungen. Also hat selbst der sonst streng gegen solche Geschäfte vorgehende amerikanische Museumsverband bis 2022 den Notverkauf erlaubt.

Ein Fehler. Aus drei Gründen. Wenn Spender und Erbe – die für amerikanische Museen essentiell sind – ahnen, dass ihre guten Taten zum Spielball des Kunstmarkts werden könnten, halten sie sich aller Erfahrung nach zurück. Auch die Behauptung, irgendwelche Objekte seien „entbehrlich“, ist blanker Unsinn. Keine Museumsleitung der Welt weiß, was künftige Generationen als wichtig betrachten werden.

Die Berliner Museen, um nur ein Beispiel zu nennen, verbannten bei einer Neusortierung 1937 die meisten Werke der Utrechter Caravaggisten ins Depot. Heute gelten genau diese Werke als herausragender Bestand der Gemäldegalerie. Schließlich: In der Not verkaufen heißt billig verkaufen. Niemals wieder wird man in aller Regel vergleichbare Werke für den Preis erwerben können, den man jetzt erzielt. Das ist ein oft bestätigtes Grundgesetz des Kunstmarkts. Wer verkauft, das lehrt die gesamte Museumsgeschichte, stellt die eigene Zukunft in Frage.

Unter den Gemälden befindet sich auch eine Darstellung der keuschen Lukrezia. Der Legende nach erstach sich die Römerin, nachdem sie vergewaltigt wurde, und löste mit diesem Beweis ihrer Tugend einen Aufstand aus. Sollen Museen sich künftig also entleiben, um Aufstände zu ihren Gunsten auszulösen?