Ein dicker Wälzer mit demTitel „The Occupy Handbook“, da würde man sich hierzulande wohl eher eine Attac-Fibel vorstellen oder vielleicht gar eine Anleitung zum Aufbau von Zelten und der effektiven Veranstaltung von Straßenblockaden. Umso beeindruckender ist, was die amerikanische Autorin Janet Byrne zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat. Aber der Reihe nach: Elektrisiert von der „Occupy“-Bewegung, hat Byrne einige Dutzend Autoren angeschrieben, und mitgemacht haben: Notenbanker-Legende Paul Volcker, Spitzenökonomen wie Paul Krugman, Kenneth Rogoff, Nouriel Roubini, Bradford DeLong, Raghuram Rajan, Clintons Arbeitsminister Robert Reich, Oberanarchist David Graeber, Autoren wie Barbara Ehrenreich und Chris Edges und der global einflussreichste Wirtschaftsjournalist, Martin Wolf von der Financial Times. Sie und viele andere sind mit großteils beeindruckenden Essays vertreten.

Das zeigt nicht nur, welch eine Wirkung die Occupy-Bewegung auf Teil des linksliberalen Establishments hatte. Gerade unter Wirtschaftswissenschaftlern in den USA hat sich ein progressiver, neokeynesianischer Flügel entwickelt, der längst nicht mehr überhört werden kann. Und es hat sich bis in den Mainstream hinein die These durchgesetzt, dass die ökonomische Ungleichheit die Hauptursache für die gegenwärtige ökonomische Malaise ist. Jedenfalls gibt es in den USA in der wirtschaftswissenschaftlichen Zunft heute eine Pluralität und eine Bereitschaft, Thesen zu verfechten, die dem Big Business nicht gefallen, von der man in unseren Breiten nur träumen kann.

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