Das Institut für Rundfunktechnik (IRT). 
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BerlinDas von einem heftigen Finanzskandal erschütterte Institut für Rundfunktechnik (IRT) wird spätestens zum Jahresende liquidiert. Auf einer Gesellschafterversammlung konnte laut einer Pressemeldung des IRT von Freitagabend „kein tragfähiges Modell für eine Fortführung“ des Forschungszentrums der deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten gefunden werden. Zu den Anteilseignern des Instituts zählen die ARD, das ZDF, Deutschlandradio, die Deutsche Welle, der österreichische ORF und die Schweizer SRG.

Das IRT war jahrzehntelang von einem Patentanwalt um insgesamt gut 200 Millionen Euro betrogen worden, die ihm aus Lizenzerlösen zustanden. Der Anwalt zahlte zwar 60 Millionen Euro zurück. Dennoch dürfte es sich um den größten Finanzskandal in der Geschichte des deutschsprachigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks handeln.

In der Folge kündigten alle Anteilseigner den Gesellschaftervertrag zum 31. Dezember dieses Jahres. Auf der Gesellschafterversammlung vom Freitag hatte der Bayerische Rundfunk (BR), die federführende Anstalt bei dem Institut, versucht, das IRT zu retten. Wie ein Sendersprecher der Berliner Zeitung noch am Donnerstag sagte, halte der BR ein Institut „in kleinerer Form mit einem fokussierten Aufgabenspektrum“ für den „günstigsten und effizientesten Weg“. Dafür sei der BR bereit, "überproportionale Lasten in Kauf zu nehmen“.

Die Bayern stießen mit diesem Vorschlag bei kleineren Anstalten offenbar auf offene Ohren. Sie fürchteten die Liquidationskosten für das IRT, die dem Vernehmen nach im dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen sollen. Allerdings hätte auch bei einem verkleinerten IRT aus finanziellen Gründen mindestens einer der drei größten Gesellschafter mitmachen müssen. Doch offenbar waren weder das ZDF noch der WDR oder der NDR dazu bereit.

Ungeklärt ist nach wie vor, ob der BR als federführende Anstalt im Zuge des Finanzskandals seiner Aufsichtspflicht gerecht wurde. Nach Ansicht des Senders hat es eine „besondere Kontroll- oder Aufsichtsfunktion“ seinerseits nie gegeben. Er beruft sich dabei auf das GmbH-Gesetz.

Für die rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IRT wird nun ein Sozialplan erarbeitet.