Berlin - Die neue Normalität füllt die Außenbereiche der Restaurants und die Freiluftkinos. Gastwirte bedanken sich für den Zuspruch. Abend für Abend war während der Sommerberlinale zu erleben, wie die Veranstalter ihr Publikum freudig begrüßten, ihnen Applaus als Antwort entgegenschallte. Das Angebot an Getränken und Speisen (Popcorn!) im Kino ist zwar recht eingeschränkt, dafür stillt der Filmgenuss den Kulturhunger.

Weil sie anders als die Gastwirte von ihrem Publikum Coronatests oder Impfnachweise verlangen müssen, haben sich die Freiluftkinos Friedrichshain, Kreuzberg und Rehberge mit einem offenen Brief an den Regierenden Bürgermeister Michael Müller gewandt. Sie bitten ihn um Erklärungshilfe, „da wir diese Fragen jeden Kinoabend unzählige Male beantworten müssen“, verweisen darauf, dass die Zuschauer nur allein oder zu zweit unter Einhaltung der Mindestabstände im Freiluftkino sitzen. „Worauf beruht hier die Einschätzung einer höheren Infektionsgefahr im Vergleich zum Veranstaltungsort Biergarten oder zum Public Viewing vor Spätis? Warum sind die Zuschauerbewegungen von Kulturinteressierten in ein Kino (meist zu Fuß oder per Fahrrad) gefährlicher, als die in Richtung Shopping oder Sport?“

250 Personen als Obergrenze

Am Sonntag ist die Sommer-Ausgabe der Berlinale zu Ende gegangen, die Freiluftkinos wollen in den normalen Betrieb gehen, unter Hygieneregeln, was Laufwege und Maskenpflicht betrifft. Im offenen Brief bitten sie den Regierenden Bürgermeister höflich und in Amtssprache, „hier noch zu kommenden Montag nachzusteuern“.

In der Antwort aus der Senatskanzlei an die Berliner Zeitung heißt es: „Nach den geltenden Regelungen ist der Besuch eines Freiluftkinos jetzt schon ohne Test möglich, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten wird.“ Und tatsächlich: Das gemütliche Hofkino Central am Haus Schwarzenberg in Mitte, die Freilichtbühne Weißensee und das Pompeji am Ostkreuz verlangen nach der Berlinale keine Tests mehr. Die Antwort geht allerdings so weiter: „Eine grundsätzliche Testpflicht besteht nur, wenn mehr als 250 Personen zeitgleich anwesend sind. Im Freien gilt eine Obergrenze von bis zu 1000 zeitgleich anwesenden Gästen.“

Das kann die Briefschreiber nicht trösten, fassen ihre Kinos – Friedrichshain, Rehberge und  Kreuzberg – auch unter Einhaltung der Abstandsregeln 500 und mehr Zuschauer. So große Biergärten, um beim Vergleich mit der Außengastronomie zu bleiben, hat Berlin nicht? Das „Zenner“ im Treptower Park will jetzt, so war es zu lesen, 700 Gäste empfangen.