Ohne sie geht gar nichts auf der Berlinale

Damit das Filmfest läuft, braucht es viele Menschen hinter den Kulissen. Wir haben ein paar von ihnen zu ihren Filmvorlieben befragt.

Berlin-Damit die Berlinale läuft, braucht es viele Menschen hinter den Kulissen: die Kulturstaatsministerin, Konferenzdolmetscher, Filmvorführer, Sektionsleiter und Make-up-Künstler. Wir haben ein paar von ihnen zu ihren Filmvorlieben befragt.

Bald geht sie wieder los: Die Berlinale.
Bald geht sie wieder los: Die Berlinale.imago stock&people

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

Kulturstaatsministerin Monika Grütters.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters.picture alliance/dpa

Mein letzter Kinobesuch: „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma

Mein Lieblingsfilm als Kind: „Das Dschungelbuch“

Ein Film, den ich immer wieder anschaue: „Spiel mir das Lied vom Tod“ von Sergio Leone und „Der Clou“ von George Roy Hill

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „Homo Faber“ von Volker Schlöndorff

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „The Square“ von Ruben Östlund

Ein überschätzter Klassiker: „Vom Winde verweht“ von Victor Fleming

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: Weil zum 70. Jubiläum Berlin im Ausnahmezustand sein wird – und weil das neue Führungsduo Chatrian und Rissenbeek uns Filmkulinarik vom Feinsten servieren wird.

Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek, Leiter der Retrospektive

Rainer Rother.
Rainer Rother.Ali Ghandtschi

Mein letzter Kinobesuch: „The Farewell“ von Lulu Wang. Sehr sehenswert – wie ebenso auch „Judy“ von Rupert Goold. Zweimal großartige Hauptdarstellerinnen.

Mein Lieblingsfilm als Kind: „Das Dschungelbuch“, der Zeichentrickfilm von Disney, Regie Wolfgang Reitherman. Er stammte ursprünglich aus München. Ein gutes Motto darin (deutsche Fassung): „Versuchs mal mit Gemütlichkeit“ ...

Ein Film, den ich immer wieder anschaue: „One Week“, Buster Keatons Komik und  Akrobatik, sein Gespür für Timing und filmische Lösungen in nur 25 Minuten kondensiert. Definitiv kein Beitrag zu irgendeiner Wohnungsbaudiskussion.

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „Transit“ von Christian Petzold. Der Roman von Anna Seghers wird zum Ausgangspunkt für eine konsequent im heutigen Marseille spielende Version. Ein Kunstgriff, der den Stoff nicht einfach aktualisiert, aber ihn in gegenwärtiger Perspektive zeigt.

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „Jojo Rabbit“ von Taika Waititi, der auch weiß, wann die Komik gebrochen werden muss.

Ein überschätzter Klassiker: Für mich eine ziemlich gemeine Frage. Aber wenn es denn sein muss: „Vom Winde verweht“. Aber: trotzdem ansehen!

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: Wie immer: wegen der Retrospektive :-) Sie ist dieses Mal dem amerikanischen Regisseur, Produzent und Drehbuchautor King Vidor (1894–1982) gewidmet. Das Programm umfasst 35 Filme aus fünf Jahrzehnten, in bestmöglicher Qualität und überwiegend als 35-mm-Filmkopien präsentiert. Davon elf Stummfilme mit Live-Musikbegleitung (Piano). Zu den Stars, die King Vidor auf der Leinwand zum Glänzen brachte, zählen Gary Cooper, Joseph Cotten, Marion Davies, Bette Davis, Henry Fonda, John Gilbert, Lillian Gish, Audrey Hepburn, Jennifer Jones und Gregory Peck.

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Aurélie Godet, Mitglied im Auswahlkomitee

Aurélie Godet.
Aurélie Godet.Francois Berthier

Mein letzter Kinobesuch: „The Wild Goose Lake“ von Diao Yinan – eine Datenight inmitten des Abschlussmonats der Berlinale-Selektion.

Mein Lieblingsfilm als Kind:  „The Dark Crystal“ von Jim Henson. Aber alle „Lieblingsfragen“ sind sehr schwer zu beantworten. Es ist die Vielfalt des Medium Films, die mich fasziniert. Die Filme, die mich am allermeisten geprägt haben, sind jene, die ich zu früh geschaut habe, jene „erfolgreichen Traumata“, die meine Leidenschaft entfachten: „Dragonslayer“ und „The Dark Crystal“ (mit vier Jahren), „Empire of the Sun“ und „The Last Emperor“ (als ich neun war).

Ein Film, den ich immer wieder anschaue: Ich schaue Filme nicht wiederholt an, Lieblingsszenen schon. Zum Beispiel das Ende der zweiten Staffel von West Wing. Oder, anderer Stil, die Raftingszene in „Vacation“.

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „La Captive“ von Chantal Akerman. Die Szene, in der die zwei Protagonisten am Ende durch ihre Schatten richtig miteinander verbunden sind, ist etwas, was nur Kino kann.

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „Delete History“ von Gustave Kervern und Benoît Délépine (im Berlinale Wettbewerb) Ein überschätzter Klassiker: „Pulp Fiction“ funktioniert irgendwie nur einmal.

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: Kino bedeutet uns sehr viel. Wir haben das diesjährige Programm mit viel Sorgfalt und Leidenschaft zusammengestallt – unsere Texte im Katalog sollen Ihnen dazu dienen, die passenden Filme zu finden, auf offensichtliche oder eben überraschende Weise.

Uli Schmidt, Berlinale-Filmvorführer seit 1987

Uli Schmidt.
Uli Schmidt.Johannes Geyer

Mein letzter Kinobesuch: Heute. Drei Filme habe ich in den Pressevorführungen zur Berlinale gesehen. Und ich kann schon versprechen: Es sind dieses Jahr wieder  wunderbare Entdeckungen zu machen.

Mein Lieblingsfilm als Kind: Als Kind habe ich alle Filme mit Bud Spencer & Terence Hill gesehen. Gemeinsam im Kino lachen – das machte schon immer Spaß. Welcher davon nun mein Lieblingsfilm war, ist schwer zu sagen – Hauptsache, die Bösewichte kriegten  immer ordentlich eins auf die Rübe.

Ein Film, den ich immer wieder anschaue: „Cinema Paradiso“ von Giuseppe Tornatore – war doch klar. Ich habe ja auch schon als Vierzehnjähriger das Filmevorführen gelernt. Und der fantastische Schauspieler Philippe Noiret in der Rolle des Filmvorführers Alfredo erinnert mich stark an meinen eigenen Lehrmeister Herrn Hansmann, bei dem ich im Alter von 20 dann im Gloria Palast am Kudamm nochmal so richtig in die Lehre gegangen bin.

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner – in der Erstverfilmung von Kurt Hoffmann. Gehört wie die „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Der kleine Lord“ zum Weihnachtspflichtprogramm.

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „H Is for Happiness“, diesjähriger Eröffnungsfilm der Kplus-Reihe aus Australien

Ein überschätzter Klassiker: Klassiker sind eigentlich nie überschätzt, sonst wären sie nicht zu Klassikern geworden

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: Weil da genau die Filme auf   großer Leinwand zu sehen sind, die man danach oft nie wieder im Kino sehen kann.

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Hermann Noack, Kunstgießer der Bären-Trophäen

Hermann Noack.
Hermann Noack.Bildgießerei Hermann Noack

Mein letzter Kinobesuch: „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ im November 2019

Mein Lieblingsfilm als Kind: „Pippi Langstrumpf“ Ein Film, den ich immer wieder anschaue:  „Pulp Fiction“

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „Eyes Wide Shut“ (nach Arthur Schnitzlers „Traumnovelle“)

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „Monsieur Claude und seine Töchter 2“

Ein überschätzter Klassiker: „Der weiße Hai“

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: wegen des unglaublich vielfältigen Angebotes

Birgit Kleber, Fotografin

Fotografin Birgit Kleber.
Fotografin Birgit Kleber.privat

Mein letzter Kinobesuch: „A Rainy Day in New York“ von Woody Allen (2019)

Mein Lieblingsfilm als Kind:   „2001: Odyssee im Weltraum“ von Stanley Kubrick (1968)  Ein Film, den ich immer wieder anschaue:   „Eat Drink Man Woman“ von Ang Lee (1994)

Meine Lieblings-Literaturverfilmung:   „Das Schweigen der Lämmer“ von Jonathan Demme (1991)

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „Toni Erdmann“ von Maren Ade (2016)

Ein überschätzter Klassiker: Western mit John Wayne wie „Rio Bravo“ (1959)

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: weil Helen Mirren den Ehrenbären bekommt und weil die Berlinale mit neuer Leitung den 70. Geburtstag feiert und ich gespannt bin, was bleibt und was kommt. Die Ausstellung „augenblicke“ mit Birgit Klebers Berlinale-Fotos läuft bis zum 29. März in der Helmut-Newton-Stiftung.

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Philipp Verheyen, Make-up- und Hair-Künstler

Philipp Verheyen.
Philipp Verheyen.Jens Koch

Mein letzter Kinobesuch: Vor vier Tagen, da schaute ich „Little Women“ und war sehr berührt von den Emotionen des Spielens der Darsteller  

Mein Lieblingsfilm als Kind: „Home Alone“! Ein Film, den ich immer wieder anschaue: „Call Me by Your Name“, der mit Abstand schönste Liebesfilm für mich

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „Les Misérables“ Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „Das perfekte Geheimnis“, ich habe Tränen gelacht!

Ein überschätzter Klassiker: „Casablanca“, mehrfach gesehen, aber leider hat dieser Film nie das in mir auslösen können, warum ihn so viele lieben.

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: weil unsere Filmwelt so vieles zu bieten hat und die Auswahl der Filme die auf der Berlinale gezeigt werden, immer ein Highlight für mich ist.

Lilian-Astrid Geese, Simultanübersetzerin

Lilian-Astrid Geese.
Lilian-Astrid Geese.Lotte Ostermann

Mein letzter Kinobesuch: „Die Eiskönigin 2“ – mit meiner Enkelin Leni (6), die meinte, alle Jungs in ihrer Klasse hätten gesagt, Teil 2 sei viel besser als Teil 1. Das wollten wir mit eigenen Augen sehen.

Mein Lieblingsfilm als Kind: „Anatevka“ – vielleicht, weil es mir irgendwie so vorkam, als hätte jemand meine eigene Familie verfilmt – und unsere ganze jüdische Gemeinde in Bonn dazu Ein Film, den ich immer wieder anschaue:   „2001: Odyssee im Weltraum“ – früher als Blick in eine mögliche Zukunft, heute als Blick auf eine unmögliche Gegenwart

Meine Lieblings-Literaturverfilmung: „Homo Faber“ – weil Buch und Film gleichermaßen faszinierend sind

Ein Film, der mich zuletzt zum Lachen gebracht hat: „Der Gott des Gemetzels“ – denn nichts geht über subtil-ironische Gesellschaftskritik

Ein überschätzter Klassiker: „Der weiße Hai“ – den Hype um den Hai habe ich nie verstanden…

Warum man dieses Jahr zur Berlinale gehen muss: Weil (grundsätzlich) das Kinojahr erst mit der Berlinale beginnt, und weil es konkret bei dieser Edition spannend sein wird, zu sehen, welche Note das neue Kurator*innen-Team setzen möchte. Ich freue mich besonders auf die Serien, die Specials und viele inspirierende Pressekonferenzen mit tollen Künstler*innen.