Das Einzige, worauf man sich bei Bob Dylan stets verlassen konnte, war seine Unberechenbarkeit. Als, zum Ende der 60er-Jahre hin, der Rock’n’Roll psychedelisch kunterbunt wurde und eine Generation beschloss, ihr Bewusstsein zu erweitern, machte sich His Bobness auf den Weg in die erzkonservative Country-Metropole Nashville. Dort arbeitete er an neuen Songs, für Alben wie „John Wesley Harding“ und „Nashville Skyline“.

Was letztlich gar nicht so überraschend war, weil Dylan bereits in jungen Jahren ein Herz für Country gehabt hatte und nach seiner turbulenten „elektrischen“ Tour und dem mythenumrankten Motorradunfall seinen Platz im Musikuniversum frisch ausleuchten wollte.

In Johnny Cash fand Dylan eine verwandte Seele; beide verband die Freude an Aufruhr und die Liebe für Tradition. Das Zusammentreffen der zwei Titanen, 1969 im Columbia Studio A in Nashville, bietet seit einer Ewigkeit Stoff für Märchen und Legenden.

Was die beiden dort einspielten – eigene Songs und Traditionals – wurde nun für ein fabelhaftes Set aufpoliert, das wahlweise auf drei CDs oder drei Vinylplatten zu haben ist: 47 unveröffentlichte Songs, Überbleibsel der Sessions für Bob Dylans eigene Werke sowie die Songs mit dem „Man in Black“. Das beigefügte Booklet macht das Vergnügen perfekt.

Bob Dylan (Featuring Johnny Cash) – Travelin’ Thru, 1967–1969: The Bootleg Series Vol. 15