Nachdem ich das Manuskript zu meinem Debütroman „Der Russe ist einer, der Birken liebt“ endgültig und unwiederbringlich abgegeben hatte, war ich erleichtert und wollte es nie wieder sehen. Was ich wollte, war wieder und ohne schlechtes Gewissen aus dem Haus zu gehen, auf Partys und in Bars, Freunde treffen und anstatt mein eigenes Manuskript auszubessern gute Bücher von anderen zu lesen. Ich wollte Urlaub von meinen Charakteren und mir selber. Es war eine schöne Zeit, ich wusste, dass ich nichts mehr ändern kann – ich konnte das Manuskript weder zurückziehen noch ausbessern. Dennoch fühlte ich mich permanent unwohl.

Anfang Dezember sollte der Postbote das erste Leseexemplar meines Buches bringen. Die Tage waren kurz, kalt und dunkel. Der erste Schnee kündigte sich an. Seitdem ich wusste, dass meine Lektorin das Buch aus München losgeschickt hatte, traute ich mich nicht mehr, zwischen neun und achtzehn Uhr aus dem Haus zu gehen. Ich hatte Angst, den Postboten zu verpassen. Als er endlich an meiner Tür geklingelt hatte, riss ich ihm das Paket aus den Händen. Er hat mich sicherlich für vollkommen irre gehalten und wahrscheinlich recht gehabt.

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