Das hat gesessen. Satte 20 Minuten seiner Sendezeit nutzte Jan Böhmermann, um sich an der Website bento.de abzuarbeiten. Bei bento.de handelt es sich um den jungen, reichweitenstarken Ableger von Spiegel Online. Oder wie es Böhmermann in der aktuellen Ausgabe des „Neo Magazin Royal“ am Donnerstag nennt: „Das Prestigeprojekt des deutschen Einhorn-Journalismus, garniert mit gagigen Gifs und geisteskrankem Feed.“

Böhmermann kritisiert in seinem „Rant“ (einer Schimpftirade) vor allem die Machart der Artikel auf bento.de und ähnlichen Portalen, die sich an eine jüngere Zielgruppe richten. Er zieht dazu Beispiele realer bento.de-Artikel wie „Neun Beispiele, warum Harry Potter politischer ist, als Du denkst“ heran.

Böhmermann kritisiert nicht nur den Stil

Insbesondere die Quizze auf bento.de haben es dem Moderator angetan. Mitarbeiterin Julia Rieke, die Böhmermann in einem Einspieler zu Wort kommen lässt, sagt dazu, dass Quizze zwar manchmal Quatsch, oft aber auch lehrreich seien. Für Böhmermann keine adäquate Erklärung etwa für das Format „Welcher Bürgerkrieg bist Du“. Er sagt dazu: „bento nutzt Bilder von Kriegsopfern, um launige Spielchen zu illustrieren. Das ist ganz sicher der richtige Weg, um junge Menschen übers Weltgeschehen zu informieren.“

Doch Böhmermann übt zudem Kritik an der für den Moderator nicht ausreichenden Trennung zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung. So hatte etwa Redaktionsleiter Ole Reißmann einen kommerziellen Post der Sängerin Lena Meyer-Landruth kritisiert. Der Satiriker findet das scheinheilig. Denn bento.de setzt auf sogenanntes Native Advertising. Diese Werbeanzeigen, die zum Teil schwer von redaktionellem Inhalt zu unterscheiden sind, findet Böhmermann fragwürdig. Damit falle „die Look-und-Feel-Mauer zwischen redaktionellen Inhalten und Werbung gänzlich weg.“

Printo-Bento-Satire

Der „Spiegel“-Ableger erreicht monatlich 3,6 Millionen Leser und liegt damit vor der Konkurrenz. Für Böhmermann haben Jugendableger der Medienkonzerne wie bento.de oder ze.tt von der „Zeit“ das gemeinsame Ziel, die „junge Netzgemeinde einzufangen und süchtig und gefügig zu machen für Klicks, Likes und Shares“. Und bestenfalls bei jüngeren Lesern, Interesse für die Printprodukte der Anbieter zu wecken.

Böhmermann belässt es letztlich nicht bei der Kritik und der Sorge um den deutschen Qualitätsjournalismus und ruft zum Ende seines Rants die „Printo“ ins Leben: "Es ist unsere journalistische Pflicht, den Quatsch, den bento jeden Tag im Netz verzapft, ans Licht zu bringen".

"Wir servieren ihnen den Schwachsinn von bento gedruckt“, beschreibt er das vierseitige, selbstgedruckte Blättchen im bento.de-Stil. 50.000 dieser Zeitungen mit der Titelgeschichte „Bist du wirklich so dumm, wie bento denkt" und unter anderem dem Quiz „Kennst du alle Jahreszeiten“ werden laut dem ZDF-Moderator am Freitag in fünf deutschen Städten bis 18 Uhr verteilt.