Berlin - Philipp Riederle steht auf der Bühne. Gerade hat der Teenager den Managern im Publikum noch gelassen erklärt, wie die Jugend in der digitalen Welt kommunizieren will – und wie nicht. Jetzt wirkt er in sich gekehrt und spricht über das Armband, das er trägt. Seine Freundin hat es ihm geschenkt. Es soll gegen die Nervosität helfen, denn im Publikum sitzt das Who-is-who der Werbebranche. Der Jugendliche hält inne, die Stimme hebt sich. „Was habe ich gerade gemacht?“, fragt er plötzlich souverän in die überraschten Gesichter. „Ich habe Nähe zu Ihnen aufgebaut“, sagt er triumphierend. Und genau darum geht es im Social-Web der Jugendlichen. Das saß.

Den Werbevortrag hat Riederle im vergangenen Jahr in Düsseldorf gehalten. Fast einmal pro Woche bleibt mittlerweile im Dossenberger-Gymnasium im bayerischen Günzburg sein Platz leer, weil er auf Kongressen und in Firmenvorständen unterwegs ist. Er bezeichnet sich selbst als „die Stimme meiner Generation“.

Regelmäßig in den Charts

Wenn Philipp Riederle den „Anzugträgern, die studiert haben“ die Jugend und ihren Medienkonsum erklärt, weiß er, wovon er spricht. Der 17-Jährige ist nicht nur jung, sondern gehört auch zu den erfolgreichsten Podcastern in Deutschland. Seit 2008 veröffentlicht er im Netz die Sendung „Mein iPhone und ich“ und führt damit regelmäßig die Bestenlisten an. Gegen ihn sehen auch große Medienhäuser zahlenmäßig schon mal alt aus. Im vergangenen Jahr kam „Mein iPad und ich“ als zweites Format hinzu.

In seinen Sendungen weist Riederle auf neue Programme hin, testet Spiele und zeigt, wie man mit der Handykamera gute Ergebnisse erzielt. Die launigen Filme produziert er im früheren Partykeller seines Großvaters. Den Raum hat er zum Filmstudio umgebaut. Er sei „technikverliebt“, sagt er. Die erste Kamera hatte er mit fünf Jahren in der Hand. Mittlerweile ist er auch mit Fernsehsendern im Gespräch über neue Formatideen.

Für ihn ist Fernsehen vor allem interessant, um mit seinen Freunden darüber zu sprechen – in sozialen Netzwerken, bei Facebook und Twitter. „Das Internet macht die Welt zum Wohnzimmer und das Fernsehen gibt vor, worüber man spricht“, erklärt er. Anstatt sich auf Redaktionen zu verlassen, die für ihn Interessantes auswählen, sucht er sich Inhalte lieber selbst. „Wenn man einfach gewisse Dinge voraussetzt, die Leute ein bisschen authentischer anspricht und nicht immer nur darauf achtet, dass es auch alle verstehen, dann kann man auch an jüngere Leute herankommen“, ist Riederle überzeugt.

Was als Spielerei angefangen hat, ist inzwischen ein einträgliches Hobby. In seinem Podcast, der mit jeder Folge rund 100.000 Zuschauer erreicht, schaltet ein Elektronikhändler regelmäßig Werbung. „Es fällt auch der eine oder andere Euro hinten raus“, verrät Riederle. Über genaue Zahlen spricht er nicht so gern. Eigentlich wisse er das auch nicht so genau, gibt er zu. Die Geschäftsführung der Phipz Media, die die Podcasts herausbringt, hat sein Vater übernommen – kein Medienmanager, sondern Architekt und Möbelbauer.

Stillschweigen herrscht auch über die Einkünfte aus den Vorträgen. Nur so viel: „Ich könnte mittlerweile locker davon leben.“ Seine Kunden sind die großen Spieler der deutschen Wirtschaft – Riederle nennt Namen wie BMW, McDonald’s und die Telekom. Doch das Geld wird auf die Seite gelegt für später. Zu Riederles Repertoire gehört neben der Kommunikation der „digital natives“ – jener Generation, die eine durchweg analoge Welt nie erlebt hat – auch seine eigene Gründerstory. Mittlerweile spricht er außerdem darüber, was er und seine Altersgenossen erwarten, wenn sie bald in die Arbeitswelt eintauchen.

Freunde kommen zuerst

Halbwegs regelmäßige Internetnutzer dürften bei dem, was Riederle seinen Zuhörern an Weisheiten und Einsichten präsentiert, kaum Überraschungen erleben. Dass er trotzdem so viel Erfolg hat, sagt viel über seine Kunden. Für manchen Konzernlenker wirken seine Schilderungen aus dem Medienalltag seiner Generation wie Berichte aus einer anderen Welt. „Das finde ich schockierend“, sagt Philipp Riederle.

Seine großes Talent: Er spricht die Sprache seiner Generation – aber auch die der Manager. Wie selbstverständlich redet er von Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodellen. „Klar spreche ich so, dass meine Kunden mich ernst nehmen“, erklärt er. „Ich weiß mittlerweile auch gut Bescheid und verstecke mein Wissen nicht gern“. Künstlich jünger machen wolle er sich jedenfalls nicht.

Wie ein Streber wirkt Riederle nicht. Vielleicht ein bisschen sehr erwachsen für sein Alter, dabei aber erstaunlich locker, trotz der vielen Termine. „Zeitmanagement ist absolut nicht meins“, gesteht er lachend. Ihm fällt ein, dass noch ein Termin vorzubereiten ist. „Das muss ich mir schnell notieren“, sagt er und unterbricht das Gespräch.

Bei allem Business-Stress: Riederles Motto lautet „Freunde first“ – denn das sei das Wichtigste in der Jugend. Eine Blaupause für seine Zukunft hat Philipp Riederle nicht. Er mag es, „die Bühne zu rocken“ und vor der Kamera zu stehen. Er kann sich jedoch nicht vorstellen, hauptberuflich Vorträge zu halten, ohne die Erfahrungen, über die er spricht, selbst zu machen. „Mein großes Ziel ist einfach, ich zu sein und zu bleiben“, sagt er.