Es hat lange gedauert, bis endlich auch die Jury eines bedeutenden Journalistenpreises bemerkt hat, dass Arno Widmann, nicht nur den Lesern dieser Zeitung als Autor seit Jahren bekannt, einer der besten Journalisten der Bundesrepublik ist. Die Otto-Brenner-Stiftung hat bekannt gegeben, dass Widmann den mit 10 000 Euro dotierten Spezial-Preis erhält. In der Begründung heißt es, ausgezeichnet werde einer „der klügsten, der scharf- und eigensinnigsten Journalisten der Republik“.

Widmann könne auf eine außerordentliche journalistische Biografie mit zahlreichen beruflichen Stationen und vielfältigen Aufgaben zurückschauen: Er war Mitgründer der taz, war dort Literaturredakteur, einige Zeit auch Chefredakteur, er war stellvertretender Chefredakteur der deutschen Vogue, Feuilletonchef der Zeit, Chef der Meinungsseite der Berliner Zeitung und Feuilletonchef der Frankfurter Rundschau. Arno Widmann, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feierte, arbeitet heute für das DuMont-Hauptstadtbüro, das auch für diese Zeitung arbeitet.

„ein unermüdlich neugieriger und ein politischer Feuilletonist“

Für die Jury ist Arno Widmann „ein unermüdlich neugieriger und ein politischer Feuilletonist“. Sie ehre mit dem Preis einen eher untypischen Journalisten, „der den Weg zur Aufklärung mit Fragen pflastert“. Es ist kaum zu glauben und gar nicht zu erklären, dass der große Stilist und unberechenbare Intellektuelle für sein umfangreiches publizistisches Werk noch nie einen Preis erhalten hat.

Den mit 10 000 Euro dotierten 1. Preis des „Otto Brenner Preises für kritischen Journalismus“ erhalten 2016 Frederik Obermaier und Bastian Obermayer von der Süddeutschen Zeitung für ihre besondere Rolle bei den Recherchen und der Veröffentlichung der „Panama Papers – Die Geheimnisse des schmutzigen Geldes“. Die „Panama Papers“ sind nach Auffassung der Brenner-Jury eine „journalistische Großtat, ein Unikat, was die internationale Dimension der Enthüllungen angeht“, und sie seien der Superlativ des transnationalen Journalismus, weil hier mehr als 400 Journalisten höchst konzentriert und verlässlich verschwiegen zusammengearbeitet haben. Für die Jury bleibt jedoch die Leistung der beiden SZ-Reporter „singulär“.

Der 2. Preis (5 000 Euro) geht an Julia Fritzsche (Bayerischer Rundfunk) und den freien Journalisten Sebastian Dörfler für das Radiostück „Prolls, Assis und Schmarotzer“ – Warum unsere Gesellschaft die Armen verachtet“. Mit dem 3. Preis werden Matthias Krupa und Caterina Lobenstein für „Ein Mann pflückt gegen Europa“ ausgezeichnet. Das Preisgeld beträgt 3 000 Euro.Den Newcomer-Preis, dotiert mit 2 000 Euro, erhält die freie Journalistin Laura Meschede für die Online-Dokumentation „Kein Platz“ in taz.de. (cbo)