Ozzy Osbourne: Immer noch in die Hölle

Fast eine Lebensbilanz: Nach über zehn Jahren Pause hat der "Prince of Darkness" Ozzy Osbourne ein neues Album herausgebracht.

Berlin-Im Video zu dem von Gitarren getriebenem Stück „Straight To Hell“ stehen Straßenkämpfer, die scheinbar zu allem bereit sind, einer martialisch ausgerüsteten Armee gegenüber. Stahlkugeln fliegen, Molotow-Cocktails explodieren und am Rande des Geschehens sitzt Ozzy Osbourne als eine Art Hohepriester des Exzesses. Im Grunde alles wie früher, als er 1969 im britischen Birmingham die Band Black Sabbath gründete, und mit „Paranoid“ nicht nur einen Welthit landete, sondern zugleich ein eigenes Genre aus der Taufe hob.

Ozzy Osbourne.
Ozzy Osbourne.

Taufe ist allerdings das falsche Wort, denn alles was Black Sabbath spielten und taten, war das Gegenteil eines christlichen Sakraments oder sollte doch zumindest so aussehen. Am Anfang war das Gefühl, alles in ein tiefes Schwarz tauchen, und noch ehe es die Bezeichnungen dafür gab, hatten Black Sabbath die Genres Hard Rock, Doom Metal oder auch Black Metal erfunden.

Auf dem neuen Album „Ordinary Man“ scheppern die Gitarren und quietschen virtuos die Riffs.
Auf dem neuen Album „Ordinary Man“ scheppern die Gitarren und quietschen virtuos die Riffs.

Skandale wie Ringe und Amulette

„Straight To Hell“ stammt vom neuen Soloalbum Ozzy Osbournes, das wie ein anrührendes Vermächtnis daherkommt und die wilden alten Zeiten nicht nur pompös verklärt, sondern auch erläutert. Ozzy Osbourne erscheint hier wie ein antiker Sänger, der von der Apokalypse erzählt und ein bisschen auch arrangiert. Das Teuflische war stets auch eine Pose, die es Ozzy Osbourne erlaubte, demonstrativ neben sich zu stehen. Die Skandale waren wie Ringe und Amulette, mit denen er und die Bandmitglieder von Black Sabbath sich behängten.

Auf dem neuen Album „Ordinary Man“ scheppern die Gitarren und quietschen virtuos die Riffs. Handwerklichen Beistand hat Osbourne sich von gestandenen männlichen Kollegen geholt. Slash von Guns 'n' Roses ist ebenso mit von der Partie wie Chad Smith, der Schlagzeuger der Red Hot Chilli Peppers, und Tom Morello von Rage Against the Machine. Und, ja, es klingt nach alten Männern, die sich darauf verständigt haben, ein wenig Zeit miteinander zu verbringen und Spaß mit dem zu haben, was sie tun.

Ozzy Osbourne: Zurück auf die Bühne

Osbournes gedehnt-quengelndes Stimme vernimmt man in fast allen Stücken als wohlige Klangsignatur eines alten Bekannten. Das Selbstbild unerbittlicher Härte hat er schon sehr früh selbst zerstört, spätestens seit er in einer Reality-Soap mit seiner Familie als alltagsuntauglicher Quälgeist in Erscheinung trat, der schon die Nerven verlor, wenn sich eine Milchtüte nicht ordnungsgemäß öffnen ließ.

Bei aller heroischen Reminiszenz an das gelebte Leben singt hier einer, der um seine Endlichkeit weiß und sie in einer erstaunlichen Gelassenheit auch hinnimmt. Ozzy Osbourne ist an Parkinson erkrankt und will es sich dennoch nicht nehmen lassen, noch einmal auf die Bühne zurückzukehren. Ein im Februar für Berlin abgesagtes Konzert soll nun im November nachgeholt werden. Für seine Fans war es ohnehin nie wichtig, in welcher körperlichen und mentalen Verfassung sich ihr "Prince of Darkness" befand.

Auf dem Album mit der Hilfe von ein paar Freunden zieht er unüberhörbar Bilanz. Das titelgebende Duett mit Elton John, „Ordinary Man“, handelt vom Ruhm, in den sie plötzlich hineingespült wurden, obwohl sie trotz all der Abstürze doch bloß danach strebten, am Ende nicht als gewöhnliche Männer zu sterben. Das ist doch irgendwie aufgegangen, oder? „Ordinary Man“ ist eine Popballade, die im Ohr bleibt. Ozzy Osbourne würde man auch ohne sie nicht vergessen.