Zerstören getrennte Schlafzimmer die Beziehung?

Sie fragen, unser Mann für die Liebe antwortet. Diesmal: Sollte man vor einem schnarchenden Partner flüchten?

Jahrelanger schlechter Schlaf. Die Lösung könnte so einfach sein.
Jahrelanger schlechter Schlaf. Die Lösung könnte so einfach sein.imago/Panthermedia

Hannah, 50: Lieber Herr Lenné. Ich bin seit 25 Jahren verheiratet und genau so lange schlafe ich schlecht. Weil man Mann schnarcht, und zwar so richtig. Wir haben viel versucht und Ohrenstöpsel helfen auch – aber mein Traum ist, einfach mal mehrere Nächte am Stück völlig ohne Unterbrechung durchzuschlafen. Nun, da unser Sohn ausgezogen ist, gäbe es die Möglichkeit, ein zweites Schlafzimmer einzurichten, doch mein Mann findet, das würde den Anfang vom Ende unserer Ehe bedeuten. Was meinen Sie? Verändern getrennte Schlafzimmer die Beziehung?

Liebe Hannah, 25 Jahre neben einem Schnarcher – das klingt schon nach einer rekordverdächtigen Leistung. Ich schnarche auch ab und an und meine Frau leidet darunter. Wenn es zu arg wird, schlafe ich im Arbeitszimmer weiter. Es hat unserer Beziehung bisher nicht geschadet – eher genützt.

Die Nacht hat ihre eigenen Gesetze

Jetzt sprechen Sie nicht von ab und an und auf dem Gästebett, sondern von getrennten Schlafzimmern. Getrennte Schlafzimmer, das klingt für viele nach tieferen Gräben in der Ehe, danach, sich nicht mehr grün werden zu können. Keine Zärtlichkeit, kein Löffelchen – sicherlich keinen Sex. Da scheint die Trennung nicht mehr weit. Getrennte Schlafzimmer sind hier die letzte Stufe vor dem Auszug. Für mache Paare fühlen sich schon zwei einzelne Matratzen im Ehebett nach einem ersten Schritt zu Trennung an. Man spürt die Anwesenheit des Partners nicht mehr bei jeder Bewegung, schläft aber besser auf einer zum eigenen Körper passenden Matratze.

Meine Frage lautet: Wie ist es denn sonst um Ihre Ehe bestellt? Wieso freut sich Ihr Mann nicht auf abendliche Besuche von oder bei Ihnen? Sie könnten dann jeweils eine Weile zusammen liegen und einschlafen, und dann hätten Sie auch noch die Möglichkeit, in Ruhe friedlich auszuschlafen. Auch könnten Sie beide, wenn Sie sich nachts zu sehr vermissen, kurz beim anderen reinschauen, etwas kuscheln und Nähe tanken. So, wie es kleine Kinder auch machen, wenn es ihnen nachts unheimlich wird. Die Nacht hat schließlich ihre eigenen Gesetze.

Eine andere Frage ist: Wie gehen Sie und Ihr Mann sonst mit unterschiedlichen Bedürfnissen um? Manche Paare machen insgesamt etwas zu viel zusammen, ihnen fehlt dann die Übung, den anderen auch zu spüren, wenn er gerade etwas anderes macht oder woanders ist. Wenn der andere arbeiten geht, ist das meistens einfach. Schwerer wird es, wenn der andere sich ohne den Partner entspannt. Wie immer an dieser Stelle: Sprechen Sie darüber!

Haben Sie eine Frage an unsere Paartherapeuten? Schicken Sie diese gerne an briefe@berliner-zeitung.de