Berlin - Gleich zu Beginn wird Leonie Böhms Ibsen-Abend „NOORRRRAAAAAAAA“ seinem schreienden Titel gerecht: mit drei Rufen, für die Julia Riedler Anlauf nimmt. Sie stellt sich erst einmal auf, justiert Atem und Mundwerkzeuge, um schließlich den Raum mit einem Ton zu füllen und dann die Erklärung hinterherzuschicken „Ich bin in der Gewalt von unkontrollierbaren Gefühlen.“ 

Sie spielt offenbar Torvald, Noras Mann, in dem Moment, als das Lügengebäude, aus dem das Ibsen-Drama besteht, zusammenbricht. Svenja Liesau spielt Nora, aber das ist nicht ganz sicher, denn die beiden Schauspielerinnen versuchen immer wieder, sich von allen Vorprägungen ihrer Figuren zu lösen, Abstand zu nehmen und mal zu gucken, ob man den Originalkonflikt mit Hilfe eines ehrlichen und produktiven Beziehungsgesprächs ausagiert kriegt und fruchtbar machen kann. Einige Sätze liefert das Stück, ein paar improvisieren sie aus der Situation, viele stammen aus dem melancholischen Repertoire der Pop-Musik, etwa „Let Me Be Your Hero, Baby“ von Enrique Iglesias oder „Hurt“ von Nine Inch Nails oder „Thank You“ von Dido .

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