Die Lage ist ernst, na klar: Irgendeine Anomalie in den Tiefen einer ansonsten Lava speienden Erdspalte hat einen Dimensionensprünge ermöglichenden Tunnel entstehen lassen, durch den in immer kürzeren Abständen fiese Riesenmonster außerirdischen Ursprungs auf die Erde gelangen und die Menschheit in ihrem Fortbestand bedrohen. Die Menschheit wiederum gerät zwar ganz gehörig in Angst und Schrecken, weiß sich in der Not aber auch zu helfen, indem sie sich nationenübergreifend verbündet und schnell etliche Riesenroboter baut, die es an Größe, Kraft und Geschick mit den echsen- bis haifischförmigen Unholden aufnehmen können. Diese Unholde sind allerdings auch nicht doof und rüsten nach, nehmen nicht nur zu an Größe, Kraft und Zahl, sondern verfügen alsbald über Säurerotz und Todesstrahlen, mit denen sie dem menschlichen Maschinenbollwerk erheblich zusetzen.

Wenn das mal keine ernste Lage ist, eine prachtvoll-groteske Geschichte ist es in jedem Fall. Zum Glück hat Guillermo del Toro weder Mühen noch Kosten gescheut, sie in ein visuelles Spektakel der Extraklasse zu verwandeln. Über hinreichend Fantasie verfügt der Mexikaner allemal, zeichnet er doch nicht nur als Regisseur für filmische Preziosen wie „Blade II“ (2002), „Pans Labyrinth“ (2006) oder die zwei Folgen von „Hellboy“ (2004 und 2008) verantwortlich, sondern hat sich auch schon als Drehbuchautor bei „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise (2012) empfohlen und legte als Schriftsteller sogar einige Vampirgeschichten vor. Nimmt man noch das Budget von 180 Millionen Dollar hinzu, erklärt sich eigentlich von selbst, warum die Sache mit den Riesenmonstern und Riesenrobotern nur gelungen sein kann. „Pacific Rim“ heißt das Werk und ist eine apokalyptische Riesengaudi, ein Spaß für alle Freunde der ausgedehnten Materialschlacht.

Del Toro bedient sich aus dem Bilderfundus zahlreicher Godzilla-Filme sowie etlicher Postnuklear-Mangas, von Osamu Tezukas „Astro Boy“ bis Katsuhiro Otomos „Akira“; besonders haben es ihm allerdings die im Anime- und Manga-Segment beliebten Mecha-Serien angetan. Mechas heißen überdimensionierte Laufroboter, die allerdings nicht selbstgesteuert sind, sondern von Menschen befehligt werden. Damit ist auch schon der Kern von „Pacific Rim“ berührt: Der Film, handelt nämlich von der Liebe. Zu den Riesenrobotern, in Anlehnung an das Deutsche auch „Jaeger“ genannt, gehört nämlich eine Besatzung von zwei Piloten. Es müssen zwei sein, weil die Maschinen so komplex sind, dass nur zwei Hirne sie steuern können. Zwei Menschen also, die sich, damit sie ihrer verantwortungsvollen Aufgabe nachkommen können, zerebral verbinden müssen: Ihre Hirne und damit auch ihre Körper werden synchronisiert.

Mit dieser revolutionären Technik kommen sich zwei Menschen so nahe, wie es sonst niemals möglich wäre, denn sie schauen einander bis in die dunkelsten Tiefen des Unbewussten. Del Toro rückt hier besonders ein Pilotenduo in den Vordergrund: den zwar kampferfahrenen, aber schwer traumatisierten Raleigh Becket (Charlie Hunnam) und die noch ganz junge, sehr talentierte, ebenfalls traumatisierte Mako Mori (Rinko Kikuchi). Was dann kommt, ist klar: Kaum nehmen die beiden Piloten im Kopf ihres Jaegers Platz, beginnt per Hirnvernetzung eine psychoanalytische Kur, bei der zuerst die Traumata aufgearbeitet und dann die Monster zu Klump geschlagen werden. Je erfolgreicher sie dabei sind, das heißt: Je mehr kaputtgeht, desto stärker gesunden Raleigh und Miko und lernen sich mögen … Und da bis zum großen Finale allerhand kaputt geht, können wir von einer so innigen wie leidenschaftliche Liebesaffäre sprechen.

Ohne einen einzigen Kuss! Der familienfreundlichste Liebesfilm des Sommers, keine Frage.

Pacific Rim USA 2013. Regie: Guillermo del Toro, Drehbuch: Guillermo del Toro, Travis Beacham, Darsteller: Charlie Hunnam, Idris Elba, Rinko Kikuchi, Charlie Day, Rob Kazinsky, Max Martini, Ron Perlman u..a.; 130 Minuten, Farbe, FSK ab 12.