„Man in front of the Sea“ von Kader Attia.
Foto: VG Bild-Kunst, Bonn 2020/Kader Attia

Berlin - Gute Fotografie stellt unser Verständnis von Zeit infrage. Woran wir uns in digitalen Zeiten gewöhnt haben, dass Fotografie detailgetreue „Jetzt“-Bilder vom Band produziert, ist philosophisch betrachtet ein Selbstwiderspruch. Ein Foto ist zwar immer Zeugnis von Vergangenheit, im Auge des Fotografierenden spiegelt sich aber kurz vor Auslösung auch ein Stück Zukunft. Roland Barthes nannte dies das „absolut Besondere“ der Fotografie und für Susan Sontag war es die „Einschließung“ von Realität: Gemeint ist die obskure Tatsache, dass die Fotografie eine mechanische Wiederholung der Gegenwart ermöglicht – also dessen, was sich existenziell nie mehr wiederholt. Man könnte also fragen, ob dem Medium nicht gar ein Ethos der Umkehrbarkeit innewohnt: Hat ihr Blick auf die Zukunft nicht per se Anspruch auf eine andere Sicht der Vergangenheit? Es sind derartige Fragen zur Überlagerung der Zeitebenen und den verschiedenen ästhetischen Zugängen, zu denen die Fotoschau „Time Present“ anregt.

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