Unvergessen bleibt die große Schauspielerin Susanne Lothar als Mutter und Großmutter in Maria Speths Film „Madonnen“. Wie sie da unbeholfen, fast angewidert, zwischen den vielen Enkeln herumstakst, die sich die Tochter hat machen lassen, damit sie nicht so alleine ist. Ein Bild der endlos sich fortsetzenden Mutter-Tochter-Katastrophe. Weitergegebene Lieblosigkeit, über Generationen hinweg. Das ist Maria Speths Lebensthema. Nach ihrem neuen Film „Töchter“ besteht daran kein Zweifel.

Dieses Mal gibt es eine Mutter, die nach ihrer Tochter sucht. Seit Jahren ist das Mädchen vermisst, nun muss die Mutter aus der hessischen Provinz nach Berlin in die Pathologie, sie soll ein totes Mädchen identifizieren, aber es ist nicht die Tochter. Die Mutter sucht nun weiter nach ihrer Tochter. Eine junge Obdachlose läuft ihr vor den Mietwagen – und nistet sich danach hemmungslos für ein paar Tage bei ihr ein. Es ist nicht die Tochter, aber sie wird zu deren Stellvertreterin.

„Töchter“ erzählt auch die Geschichte eines Kidnappings, eines schamlosen Übergriffs auf das Leben Anderer – auch dies ein bekanntes Thema im Werk Maria Speths. In ihrem frühen Film „In den Tag hinein“ hat sie das unverblümt parasitäre Leben einer Unentschlossenen sehr suggestiv gezeigt. „Töchter“ ist nun der bisher linearste, wenn man so will: fernsehkompatibelste Film der 1967 geborenen Regisseurin. Er beginnt drastisch auf dem Seziertisch und mit einer rüden Unterhaltung zwischen der Mutter und dem Kommissar. Aber er verliert leider bald an Radikalität und wird zur Bühne zweier Schauspielerinnen, deren Dialoge eben Dialoge sind: steif, theatralisch, prätentiös. Corinna Kirchhoff als Mutter zitiert Heinrich Heines „Ich hab im Traum geweinet“, Kathleen Morgeneyer schwadroniert konsumkritische Phrasen daher. Sicher, sie können einander nicht verstehen, das ist nur allzu klar. Keine verändert sich, die Mutter bleibt kühl, selbstbezogen, junge Frau verharrt in der vor sich her getragenen Künstlerinnenattitüde. Dieses feste Rollenschema lässt den Film erstarren – so sehr die Mutter auch in Berlin herumfährt – meist geschützt vor den Zumutungen der Großstadt in ihrer komfortablen Autokabine. Durch das Fensterglas erscheint eine Stadt, die auf ihre Funktion reduziert ist: Die Inszenierung von fundamentaler Heimatlosigkeit an einem solchen Ort ist Maria Speth auch in diesem Film gelungen.

Töchter: 8.2.: 19 Uhr, Delphi; 9.2.: 11 Uhr CineStar 3; 11.2.: 18.30 Uhr, Filmkunst 66; 12.2.: 19.30 Uhr, CineStar Imax; 16.2.: 20 Uhr, Cubix