Die Formel des weltfremden Genies ist ganz einfach: „In der Arbeit kann ich alles, im Leben nichts.“ Yves Saint Laurent hat das gesagt, Romy Schneider auch. Der Modeschöpfer aber hatte mehr Glück als die Schauspielerin: Er traf auf einen Menschen, der dieses Nicht-ganz-heimisch–Sein-im-Leben nicht ausnutzte, sondern ihn unterstützte – auch über die Trennung hinaus. Pierre Bergé, Geschäftsmann, Mäzen, Operndirektor, Zeitungsmiteigentümer, Unterstützer von Mitterand und Segolène Royal, war der wichtigste Mann im Leben von Yves Saint Laurent. Der Film „Yves Saint Laurent“, ab Freitag in der Special-Reihe der Sektion Panorama zu sehen, erzählt die Geschichte dieser Liebe. Er ist kein Biopic in der Tradition gefälliger Genie-Hagiographien.

Jalil Lesperts Film beginnt mit der Auflösung der Kunstsammlung, die Saint Laurent und Bergé innerhalb eines Vierteljahrhunderts gemeinsamen Lebens miteinander aufgebaut hatten. Jedes Werk erinnerte Bergé an den 2008 an einem Hirntumor gestorbenen Gefährten. Ein Jahr später ließ er die Sammlung – darunter Werke von Matisse, Klee, Mondrian – bei Christie’s versteigern, 373,9 Millionen Euro wurden bei der Auktion erzielt. Ein Teil floss in eine Aids-Stiftung, ein anderer dient der Erhaltung des Werks von Yves Saint Laurent. Seinen Haute-Couture-Kleidern, seinen Zeichnungen. Yves Saint Laurent hatte die Kunst immer über die Mode gestellt: Er nährte sich nicht heimlich von ihr, sondern gab ihr – etwa in seinem berühmten Mondrian-Kleid – ein zusätzliches Podest.

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