Die Waage lässt sich nicht anschwindeln. 81 Kilo bei einer Größe von 1,64 Metern. „Nimmst Du Medikamente“, fragt der Arzt routiniert. Nein. „Du kannst die Schuhe wieder anziehen.“ Melanie (Melanie Lenz) ist 13 Jahre alt und stark übergewichtig. In einem Diätcamp soll sie während der Sommerferien abnehmen, gemeinsam mit anderen dicken Teenagern. Ein Trainer, eine Ernährungsberaterin und ein Arzt behaupten, den Kindern zu helfen. Dabei sind sie die Dreieinigkeit der Ignoranz. Drill, Sprüche und das Spiel mit einer Grenzverletzung erwarten die Kinder.

Das Camp haust in einer Schule aus den 1950ern. Zellenartige Zimmer mit Stockbetten, Sprossenwände in grauen Turnhallen. Zum Abnehmen werden die Kinder an einen spartanischen Ort ausgelagert. Natürlich macht Seidl mit seiner Obsession für die Symmetrie große und sehr schön anzusehende Bilder daraus. Am Ende ist Melanie unglücklich und kein Kilo leichter. Und doch ist „Paradies: Hoffnung“ Ulrich Seidls zärtlichster Film, eine schwebende Sommererzählung, die diejenigen von denen sie handelt, beschützt und hält.

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