Paris Hilton, 39, belässt es nicht bei Worten. Im vergangenen Jahr hatte die Millionenerbin und Reality-Ikone in der Dokumentation „This is Paris“ erstmals ausführlich von ihren Gewalterfahrungen während der Internatszeit gesprochen. Seitdem setzt sie sich dafür ein, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und private Einrichtungen wie diese schärfer staatlich kontrolliert werden.

Zu diesem Engagement zählt auch Hiltons jüngster Auftritt vor der Senatskammer im Bundesstaat Utah, in dem ihr früheres Internat beheimatet ist. Bei einer Anhörung am Montag (Ortszeit) berichtete die 39-Jährige über die psychische und körperliche Gewalt, die ihr während der Schulzeit auf dem privaten Internat widerfahren sein soll. Sie erinnere sich immer noch sehr deutlich daran, in einem blutverschmierten Raum ohne Bad eingesperrt worden zu sein, sagte Hilton.

„Dieser kleine Raum mit Kratzspuren und verschmiertem Blut ist eine der lebendigsten und traumatischsten Erinnerungen meines Lebens“, sagte sie. „Kinder wurden unterdrückt, geschlagen, gegen Wände geworfen, gewürgt und regelmäßig sexuell missbraucht.“

Hilton beschrieb, wie sie in den Neunzigern mitten in der Nacht von zu Hause weggeholt und in Jugendbehandlungseinrichtungen gebracht wurde, wo sie misshandelt und manchmal in Einzelhaft gehalten wurde. Sie sei der Beweis, dass Geld nicht gegen Missbrauch schütze, sagte die Hotelerbin sichtlich erschüttert. Seit 20 Jahren habe sie immer wieder Alpträume, so traumatisch sei die Erfahrung gewesen.

Hiltons Aussage könnte gewichtige Folgen haben: Die Gesetzgebung in Utah berät derzeit, ob private Einrichtungen, zu der auch die Schule zählen würde, die Hilton besucht hat, staatlich kontrolliert werden sollten. Die Senatoren waren nach der Aussage Hiltons sichtlich überrascht. „Ehrlich gesagt, haben wir es versäumt, Sie zu beschützen“, sagte Senator Derek Kitchen nach der Anhörung. Das täte ihm leid.

Paris Hilton, die durch Reality-Formate wie „The Simple Life“, die Zurschaustellung ihres Partylebens und als umtriebige Geschäftsfrau bekannt wurde und die als Urenkelin des Hotelgründers Conrad Hilton eine der zukünftigen Erben des Familienvermögens ist, verbrachte ihre Schulzeit auf der Canterbury School in Connecticut und der Buckley School in Sherman Oaks, Kalifornien. Ein Jahr lang war sie im Internat Provo Canyon School in Utah – ihre Eltern Richard und Kathy Hilton sollen sie dort hingeschickt haben, weil sie mit dem aufmüpfigen Teenager nicht mehr zurechtkamen.

Nun sorgt das Mädchen von einst wieder für Aufruhr: Durch Paris Hilton bekommt die Bewegung #BreakingCodeSilence in den sozialen Medien große Aufmerksamkeit, die von einst als verhaltensauffällig deklarierten Teenagern organisiert wurde, die in Internaten und Programmen im Bootcamp-Stil „geformt“ werden sollten. Laut der Bewegung ist die in Schwierigkeiten geratene Jugend das Futter für „ein riesiges und hochprofitables Netzwerk von Programmen und Einrichtungen, die für die Behandlung und Rehabilitation dieser Jugendlichen werben“. Eltern zahlen oft Unsummen in der Hoffnung, ihre Kinder würden dort auf den rechten Weg gebracht.

Viele dieser Einrichtungen befinden sich in Utah, das mit seinen weiten Landschaften als geeignet für raue Outdoor-Erlebnisse gilt. Ehemalige Schüler berichten unter dem Hashtag #breakingcodesilence von Missbrauch, Gewalt, Drill, Beschimpfungen und menschenunwürdigen Arbeitseinsätzen. Hiltons ehemalige Schule hat inzwischen neue Besitzer. Diese erklären, dass sie die Einrichtung im Jahr 2000 übernommen haben und nicht über Hiltons Erfahrungen dort sprechen können.