In „Ziemlich beste Freunde“ gab es einen besonders lakonischen Wortwechsel: „Die Jungs aus der Vorstadt kennen kein Mitleid“, sagt da der ängstliche Rechtsanwalt zu seinem Freund und Mandanten im Rollstuhl. „Genau das ist es, was ich will“, entgegnet der. Die Mitleidlosigkeit der Vorstädte war im Kino lange das Thema hasserfüllter Abrechnungen oder trister Ethnografien. Inzwischen begegnen Regisseure den Bidonvilles mit grimmigem Witz – und einem Personal, das hinter der rüden Fassade viel Herz verbirgt.

Wie Paulette, die Heldin des gleichnamigen Films von Jérome Enrico. Paulette ist eine alte Frau, der man die Dame noch ansieht, die sie einmal war. Ihr Alter muss sie in einem heruntergekommenen Sozialbau mit dem Namen „Victor Hugo“ verbringen, auf den Märkten packt sie liegen gebliebenes Gemüse in ihre Einkaufstasche. 600 Euro Rente hat sie im Monat. Das ist übrigens mehr, als viele zukünftige Rentnerinnen in Deutschland zu erwarten haben. Aber käme hier einer auf die Idee, daraus einen Komödienstoff zu machen? Bewahre, von „Elendsthemen“ lässt man lieber die Finger. Wer will denn schon was über „Almosenempfänger“ wissen? Dann doch lieber noch eine Kreischkomödie über verliebte Jungs und Mädels oder tolle Chaoten-Papas mit coolen Kids.

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