Chase aus Paw Patrol als XXL-Ballon (Archivbild).
Foto: imago images / Pacific Press Agency

BerlinMan liest jetzt dauernd, man müsse die Zeit, die man gezwungenermaßen zu Hause verbringt, produktiv nutzen, in positive Energie verwandeln. Man kann eine virtuelle Museumstour machen, endlich Griechisch lernen. Wenigsten ein Stück wie „King Lear“ schreiben. Das hat dieser Shakespeare doch während der Pest auch geschafft. Eine Kollegin schwärmt von den virtuellen Hauskonzerte eines Pianisten, die sie im Netz verfolgt. Sie habe „Moon River“ als Ohrwurm.

Mein Ohrwurm geht so: „Pohpe-Troh, Pohpe-Troh, kein Job ist zu groß, kein Hund ist zu klein.“ Das ist der Titelsong der kanadischen Action-Zeichentrickserie für Kinder, „Paw Patrol“, die viele Kindergartenkinder lieben. Es geht um Weltretterteam, das aus sechs Hunden und einem zehnjährigen Jungen namens Ryder besteht. Aus unserem Wohnzimmer schallt ständig der Eingangssong der Serie. Ich habe seit der Schließung der Kitas und der Einführung der flächendeckenden Home Offices aufgegeben, die Zeit vor dem Fernseher so streng wie früher zu begrenzen. Früher, also vor vier Wochen. Ich habe seitdem keine andere Serie gesehen, außer die Sendung mit der Maus. Da sang Arnim den Corona-Rap. Ich weiß nicht, ob das besser war.

Titelsong der Serie Paw Patrol.

Video: YouTube/Nick Jr.

„Pohpe-Troh“, sagt meine dreijährige Tochter. „Paw Patrol heißt das“, korrigiert ihr Bruder, 5, der dank des englischen Vaters gut Englisch kann. „Paw heißt Pfote, weil es geht um Hunde.“ Normalerweise gehen die Geschwister in verschiedene Kita-Gruppen, jetzt verbringen sie den Tag miteinander. „Du bist Kacka“, sagt er zu ihr, etwa alle zehn Sekunden. „Du Dummkopf“, kontert sie und rennt ins Kinderzimmer um seine Lego-Bauten kaputt zu machen. Das muss diese geschwisterliche Liebe sein. Wenn der Fernsehen nicht läuft, sie sich nicht streiten oder fragen, was es zu Mittag gibt, spielen sie „Paw Patrol“. Und das geht so:

„Ich bin Zuma.“

„Nein, du bist Sky.“

„Nein, ich bin Zuma.“

„Ich bin aber Zuma.“

„Dann bin ich Rubble.“

Zuma, Sky und Rubble sind Hunde. Jeder hat besondere Superkräfte. Ich habe das Gefühl, auch die Gespräche mit meinem Mann pegeln sich im Laufe des Ausnahmezustandes auf Paw-Patrol-Level ein, ohne die Superkräfte: „Du Edeka?“ „Nein, du Edeka, ich mach Mittag.“

Neulich saß ich im Wohnzimmer, Videokonferenz mit der Redaktion.

„Herr Müller, sind Sie da?“

Knack, knack.

„Herr Müller, sind Sie das?“

„Ja, Müller hier.“

Und in meinem Kopf tauchte diese Melodie auf: „Kein Job ist zu groß, kein Hund ist zu klein, Pohpe-Troh, wir greifen ein!“ Ich summte leise vor mich hin und schaute auf das Bild in der rechten Ecke. Wer war diese Frau mit fettigem Haar und Augenringen, die ein Kinderlied so sich hersummte? Gestatten, mein Quarantäne-Ich. Die Welpen von Paw Patrol benutzen übrigens seit langem Videokonferenzen, kein Witz. Gibt es ein Problem, wird eine Videoschalte zwischen den Welpen und Ryder einberufen, auch sonst haben sie immer die neuesten technischen Gadgets.

Kürzlich sah ich mit den Kindern die Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel, das heißt, wir hörten sie nur und sahen ein Standbild, sie sendet ja von zu Hause. Ich war so froh, Angela Merkel in diesen Tagen als Kanzlerin zu haben. Ich mag ihre Stimme, ihre Unaufgeregtheit, ihre Einfachheit.

„Wer ist diese Oma“, sagte die Dreijährige. Sie meinte Merkel.

„Das ist die Chefin von Deutschland“, sagte mein Sohn.

„So wie Ryder?“, fragte die Dreijährige. Äh, so in etwa.